Unterwegs

Männliche Wiesenschafstelze mit gefangenem Insekt (Bild: Ulrich Laakmann)
Männliche Wiesenschafstelze mit gefangenem Insekt (Bild: Ulrich Laakmann)
Thunbergschafstelze auf der Wasserbüffelweide in Allmannshofen (Bild: Christiane Gebauer)
Thunbergschafstelze auf der Wasserbüffelweide in Allmannshofen (Bild: Christiane Gebauer)
Vom Jäger zum Gejagten (Bild: Ulrich Laakmann)
Vom Jäger zum Gejagten (Bild: Ulrich Laakmann)
Weibliche Wiesenschafstelze (Bild: Ulrich Laakmann)
Weibliche Wiesenschafstelze (Bild: Ulrich Laakmann)

(17.09.2018) Im August und September ist der Vogelzug in vollem Gange. Nachdem im Frühjahr die Tiere in ihre Brutgebiete zurückgekehrt sind, fliegen sie jetzt wieder in die Winterquartiere. Es wird geschätzt, dass weltweit 50 Milliarden Zugvögel pro Jahr unterwegs sind, davon pendeln allein ca. fünf Milliarden zwischen Europa und Afrika.

 

Warum zieht es die Tiere Richtung Süden? Der Grund liegt nicht in der Kälte, sondern im Nahrungsmangel. Insektenfressende Vögel müssen dem europäischen Winter weichen, da in unseren Breiten zu dieser Jahreszeit nicht ausreichend Insekten vorhanden sind.

 

Der LBV Augsburg besitzt mit seinen Flächen interessante und wichtige Rastmöglichkeiten für durchziehende Vögel. Auf den Viehweiden in Gennach und Allmannshofen können wir beispielsweise regelmäßig rastende Wiesenschafstelzen beobachten. So suchte unter anderem am 8. August im Gennacher Moos ein Trupp von über 50 Stelzen – Wiesenschafstelzen vergesellschaftet mit einigen Bachstelzen – auf der Sommerweide nach Nahrung. Die hübschen Tiere haben die Schlammflächen des langsam austrocknenden Gewässers durchforstet und zwischen den Beinen der Kühe aufgescheuchte Insekten gefangen. Am 10. August waren es noch 14 und am 12. August ungefähr 10 Tiere.

 

Auf der großen Wasserbüffelweide in Allmannshofen konnte im Frühjahrszug am 29. April sogar eine männliche Wiesenschafstelze der Unterart „thunbergi“ festgestellt werden. Diese Unterart brütet in Skandinavien. Das Männchen ist leicht zu entdecken, da es durch den dunklen Scheitel und die dunklen Ohrdecken rasch auffällt. Diese „Nordische Schafstelze“ können wir regelmäßig in Deutschland – vor allem von Ende April bis Mitte Mai – beobachten. In ornitho.de wurden für den Frühjahrszug 2018 11 Thunbergschafstelzen in Bayern gemeldet. Wiesenschafstelzen sind Langstreckenzieher und überwintern überwiegend südlich der Sahara bis Südafrika. Die nur ungefähr 15 cm große Nordische Schafstelze hatte also bereits tausende Kilometer auf ihrem Weg zu ihrem Brutgebiet hinter sich und noch tausende vor sich. Wir zollen ihr Respekt und wünschen ihr viel Glück auf ihren gefährlichen und kraftzehrenden Reisen. (Christiane Gebauer)


Das Familienleben der Haubentaucher

(12.08.2018) Es ist Sommer und damit Fortpflanzungszeit. Regelmäßige Brutvögel auf unseren Gewässern sind die Haubentaucher. Für uns Naturfreunde ist es immer wieder faszinierend und erlebnisreich, das Familienleben in der Tierwelt beobachten zu dürfen.

  • Bild 1: Ein Paar hat sich gefunden.
  • Bild 2: Gemeinsam geht es an den Nestbau.
  • Bild 3: Wohlbehütet sitzt das Daunenküken auf dem Rücken eines Elterntieres. Vor der Fischmahlzeit wird eine Feder gefüttert, damit die Gräten die Speiseröhre und die empfindliche Darmwand des Jungvogels nicht verletzen.
  • Bild 4: Jetzt wird ganz vorsichtig dem Küken ein kleiner Fisch gereicht.
  • Bild 5: Der etwas ältere Jungvogel schwimmt schon selbständig und muss sich auch bei der Fütterung größeren Herausforderungen stellen.

(Text: Christiane Gebauer; Fotos: Ulrich Laakmann)

Bild 1
Bild 1
Bild 2
Bild 2
Bild 3
Bild 3
Bild 4
Bild 4
Bild 5
Bild 5
 

Wie aus Äckern bunte Wiesen werden

Gemeinsam fuhren wir als kleine Gruppe vom LBV am 13. Juli  zu einer Informationsveranstaltung der Regierung von Schwaben. Thema war: "Wie aus Äckern bunte Wiesen werden". An verschiedenen Stellen im Thürheimer Ried erklärten die mit dem Projekt vertrauten Personen was schon lange gewollt und seit einem Jahr auch umgesetzt wird. Viele hochrangige Beteiligte aus Politik und Naturschutz waren anwesend und das Interesse bei den zahlreichen Zuhörern war groß. Es ist zur Zeit das größte Naturschutzprojekt in Schwaben.   Ziel der höheren Naturschutzbehörde ist, durch Zusammenarbeit mit Landnutzern, Fachbehörden, Kommunen, Naturschutz- und Landschaftspflegeverbänden die Vielfalt der Arten und Lebensräume wieder herzustellen und zu schützen.

 

Deshalb wurden in den letzten Jahren, in einem Flurneuordnungsverfahren, 400 ha Fläche für den Naturschutz bereitgestellt. Darauf befinden sich auch ehemalige Ackerflächen, die nun als Streuwiesen aufwändig hergerichtet werden. Es wird einige Jahre dauern, bis sich die gewünschte Vielfalt ausgebreitet hat. Wie das geschieht, wurde ausführlich erklärt und vorgeführt. Auch der LBV Augsburg hat hier eine 8 ha große Wiese gekauft. Außerdem sind in dem Areal etliche Senken als Feuchtgebiete ausgehoben worden sowie die Gräben entbuscht. So finden Libellen und andere Insekten Lebensgrundlage, Wiesenbrüter Nahrungsquelle und deren Feinde keinen Lebensraum. Auch das bietet den Vögeln mehr Schutz. Auf einigen Flächen ist eine Beweidung vorgesehen, denn Weidetiere stellen ebenfalls einen Schutzfaktor dar, sind aber auch Lebensgrundlage für eine Vielfalt von Insekten.

 

Erfreulich ist auch, dass die Zusammenarbeit mit den Landwirten gut funktioniert. Sie passen ihre Mähtermine den Vorgaben des Naturschutzes an und bekommen Zusatzarbeiten und Ernteausfälle bezahlt. Keiner der verschiedenen Naturschutzverbände als Eigentümer muss sich eigens um seine Wiese kümmern und es gelingt durch die Arbeitsvergabe besser, Mähtermine, Stehenlassen von ungemähten Streifen als Insektenschutz sowie Pflegearbeiten zu koordinieren. Es war sehr interessant zu sehen, was im Naturschutz alles geschieht und wie alle Beteiligten zufrieden sind. Am Schluss wurde ein kleiner Imbiss und Getränke angeboten. Eine gelungene Veranstaltung!

(Eva Maria Külls)


Auf der Jagd

Ansitzjagd
Ansitzjagd
Rüttelflug
Rüttelflug

(07.07.2018) Da sich der LBV Augsburg in diesem Jahr intensiv mit den Gebäudebrütern beschäftigt, wird auch dem Turmfalken besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Er nutzt als Nistplatz häufig Kirchtürme oder andere hohe Gebäude und ist jedem Spaziergänger schon beim Gang durch die Felder aufgefallen, da er scheinbar „wie angenagelt“ in der Luft stehen kann – er rüttelt. Der Rüttelflug ist die am häufigsten eingesetzte Jagdtechnik dieser Tiere. Daneben nutzen die Vögel auch die Ansitzjagd oder – noch seltener – versucht ein Turmfalke, Kleinvögel im Flug zu erbeuten. Er ist dabei aber niemals so elegant und erfolgreich wie beispielsweise ein Sperber. Jungfalken sind zunächst zu Fuß unterwegs und trainieren ihre Geschicklichkeit am Boden.

 

Wann und warum nutzten die Turmfalken die verschiedenen Techniken? Die gewählte Jagdmethode wird gezielt eingesetzt und ist eine Frage der Ergiebigkeit sowie der Energiebilanz. Die Ansitzjagd ist kraftschonend, dafür weniger erfolgreich. Sie ist vor allem im Winter wichtig, wenn Mäuse knapp sind und das Energiesparen im Vordergrund steht. Im Sommer gibt es wesentlich mehr jagdbare Beute. Gleichzeitig müssen die Vögel besonders viel Nahrung beschaffen, da Jungtiere zu versorgen sind. Mit der Ansitzjagd schlägt der Falke nicht genügend Mäuse und er greift auf den ergiebigeren, jedoch kraftraubenden Rüttelflug zurück. Dabei wird der Auftrieb des Fahrtwindes durch Flügelschläge ersetzt. Bei dieser Jagdmethode unterstützt Gegenwind den Jäger, denn er kann eine energiesparende Variante des Rüttelflugs einsetzen. Der Kopf verändert bei dieser Methode nicht die Position. Durch den Wind getragen lässt der Vogel bei gekrümmten Hals seinen Körper nach hinten gleiten. Ist der Hals schließlich lang gestreckt, fliegt er wieder nach vorne. In den kurzen Gleitphasen spart er gegenüber dem durchgehenden Rütteln 44 % Energie.

 

Wie können wir die Turmfalken unterstützen? Einerseits haben wir die Möglichkeit, in ausgeräumter Landschaft Ansitze anzubringen, die den Tieren helfen, den kalten Winter besser zu überstehen. Auch können wir etwas gegen ihre Wohnungsnot unternehmen. Der LBV Augsburg stellt den Tieren Nistkästen zur Verfügung, in denen die Falken ihre Jungtiere gut geschützt aufziehen können. (Christiane Gebauer)


Unsere Eschen sterben

Erkrankte Eschen an der Wertach
Erkrankte Eschen an der Wertach
Eschenkrone
Eschenkrone
Kopfeschenallee
Kopfeschenallee

(17.06.2018) In der Monatsversammlung im Juni war bei uns Jürgen Kircher, Leiter der Forstverwaltung, zu Gast. Während seines interessanten und spannend dargebotenen Vortrages machte er uns darauf aufmerksam, dass die Stadt zurzeit zahlreiche Eschen wegen des sogenannten Eschensterbens fällt und aus diesem Grund regelmäßig mit Bürgern im Gespräch steht. Allein im Lechauwald sind tausende Bäume befallen und sterben langsam ab.

 

Was steckt hinter diesem Phänomen? Die Gewöhnliche Esche ist in Mitteleuropa eine häufige Art und kommt in Auen- und Schluchtwäldern, an Bächen sowie Flüssen und an steinigen Hängen vor. In den 1990er Jahren beobachtete man das Problem des Eschensterbens zum ersten Mal, im Jahre 2010 identifizierten Wissenschaftler schließlich den Pilz „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ als Ursache. Dieser befällt die Leitungsbahnen des Baumes, so dass die Blätter vertrocknen, die Kronen schütter werden und er zum Schluss abstirbt.

 

Inzwischen ist das Problem des Eschensterbens in weiten Teilen Europas verbreitet und auch Augsburg wurde nicht verschont. In der Umgebung sind nahezu alle Bäume erkrankt, hunderte wurden bereits gefällt und es werden noch viele folgen. Eine 2016 publizierte Studie, in der die Eschenbestände auf den Britischen Inseln untersucht wurden, geht davon aus, dass höchstwahrscheinlich der gesamte Eschenbestand Europas verschwinden wird. Dafür ist laut ihrer Ergebnisse aber nicht nur der Pilzbefall verantwortlich, sondern auch der aus Asien einwandernde Asiatische Eschenprachtkäfer. Die Wissenschaft schaut dieser Entwicklung allerdings nicht tatenlos zu. Forscher arbeiten daran, europäische Eschen mit einer natürlichen Resistenz gegen den Pilz zu selektieren und zu züchten.

 

Die Gemeine Esche ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems, dessen Verlust große Auswirkungen auf die Umwelt hat. Nach einer im Jahr 2014 publizierten britischen Studie leben ca. 1000 Spezies mit der Esche in Gemeinschaft. Man kann sie durch „Köpfen“ zu Kopfbäumen gestalten, die durch zahlreiche Höhlen im Stamm gekennzeichnet sind. Diese Höhlen bieten Fledermäusen, Vögeln, Insekten, Pflanzen und Pilzen wichtige Lebensräume.

 

Auch für den Menschen spielt die Esche eine große Rolle. Wir nutzten heutzutage vor allem das Holz, das zu den Edellaubhölzern zählt. Es gilt als besonders fest und elastisch und wird vielseitig eingesetzt. Die kulturelle Wertschätzung des Baumes reicht geschichtlich weit zurück. In der nordischen Mythologie verbindet er als Weltenbaum Himmel, Erde und Unterwelt. Wir können nur hoffen, dass die Bäume es letztendlich schaffen, sich erfolgreich gegen den Pilz zu wehren und nicht vollständig aus unserer Landschaft zu verschwinden. (Christiane Gebauer)


Unsere Spatzen

Badender Jungvogel
Badender Jungvogel
Männchen mit Jungvogel
Männchen mit Jungvogel
Nest in einer Gebäudenische
Nest in einer Gebäudenische
Weibchen beim Samenfressen
Weibchen beim Samenfressen

(23.05.2018) In diesen Wochen sieht man fleißige Vogelkartierer durch Augsburg streifen, um die Gebäudebrüter in der Stadt im Auftrag des LBVs zu erfassen. Neben Mauerseglern, Schwalben, Dohlen und Turmfalken werden auch die Haussperlinge gezählt. Dieser uns so vertraute Mitbewohner nutzt als Höhlenbrüter beispielsweise Nischen und Hohlräume an Gebäuden. Sehr beliebt sind Hausdächer mit Dachziegeln, unter denen die Vögel ihre relativ großen Nester bauen. Bei der Wahl des Nistmaterials sind die Tiere durchaus flexibel, neben Pflanzenhalmen bauen sie auch gerne Plastik oder Wolle ein. Ihr unordentlich wirkendes Nest wird schließlich mit Federn und Pflanzenfasern ausgepolstert. Häufig sehen wir die Männchen auf der Dachrinne sitzend singen. Spatzen sind jedoch nicht unbedingt auf Höhlen als Brutplatz angewiesen, denn sie bauen durchaus auch Freinester in Fassadengrün wie Efeu.

 

Der Spatz musste leider in der Vergangenheit große Bestandseinbußen hinnehmen. Laut eines vom Bundesamt für Naturschutz veröffentlichten  Berichtes aus dem Jahre 2013 ging die Anzahl der Brutpaare in Deutschland von 1998 bis 2009 um 1,2 Mio. zurück. Wir wollen es nicht glauben - der Haussperling steht inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Vor allem in Großstädten wie München ist die Entwicklung dramatisch. Wie sieht es konkret in Augsburg aus? Die Gebäudebrüterkartierung wird sicherlich neue Erkenntnisse bringen.

 

Was können wir tun, um die Spatzen zu unterstützen? Wichtig sind naturnahe Gärten und Grünflächen. Hecken bieten Schutz vor Feinden, Wildstauden Sämereien als Nahrung und Insekten dienen als Futter für die Jungvögel. Weiterhin benötigen die Tiere Möglichkeiten, Staubbäder zu nehmen, um sich von Parasiten zu befreien. Fehlen unversiegelte Freiflächen, kann man ihnen auch beispielsweise einfach einen Blumentopfuntersetzer mit Sand gefüllt anbieten. Trink- und Bademöglichkeiten sind ebenfalls wichtig. Gibt es im Umfeld keine geeigneten Brutplätze, können wir Naturfreunde Abhilfe mit Nistkästen schaffen. Besonders geeignet sind Koloniehäuser, da die Vögel sich in Gemeinschaft am wohlsten fühlen. Der LBV bietet zum Beispiel in seinem Naturshop einen Sperlingsnistkasten an. Wer Freude am Werkeln hat, kann ihn natürlich auch selbst bauen. Am vielversprechendsten ist die Anbringung in der Nähe von bereits vorhandenen Brutplätzen, denn Spatzen entfernen sich nicht weit von ihrer Heimatkolonie. (Christiane Gebauer)


Schüler der Neusässer Eichenwaldschule engagieren sich für den Naturschutz

(13.05.2018) „Wir staunten nicht schlecht!“, sagte Winfried Mayr, Fachberater für Umwelterziehung für die Volksschule im Landkreis Augsburg und Lehrer an der Eichenwaldschule, „als wir die Sammelergebnisse aller Klassen addierten.“ Bei der Sammelwoche für den LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.) erzielten die Schülerinnen und Schüler der Eichenwaldschule den stolzen Betrag in Höhe von 1.378,52 Euro. Die Ergebnisse der bayernweit durchgeführten Sammelaktion werden für den Natur- und Artenschutz verwendet. Herr Willi Behringer von der LBV Kreisgruppe Augsburg Stadt/Land überreichte jedem einzelnen der fleißigen Grund- und Mittelschülern ein kleines Geschenk in Form einer praktischen Brotzeitbox. Darüber hinaus zeichnete er die Schüler mit den besten Ergebnissen zusätzlich mit einem Buchgeschenk aus. Behringer ist an der Schule kein Unbekannter mehr. Vor zwei Jahren zimmerte er mit den älteren Schülern der Mittelschule Nistkästen für das Schulgelände. Zusätzlich erhielt der Waldkauz, Vogel des Jahres 2017, zwei Nistkästen, die im Neusässer Lohwald und im Kobelwald gemeinsam aufgehängt wurde. Die Schule beteiligt sich an der Landkreisaktion „Augsburg blüht“ und wandelt ein Stück Rasen in eine insektenfreundliche Blumenwiese um. (Winfried Mayr)

 

Bild: Schüler der Eichenwaldschule sammeln für den Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.: Willi Behringer (LBV) und Rektorin Jutta Gasteiger (hintere Reihe) freuen sich mit den fleißigen Sammlerinnen und Sammler über das stolze Ergebnis in Höhe von 1.372,52 Euro.


Stunde der Gartenvögel vom 10. bis 13. Mai: Der LBV Augsburg bittet um zusätzliche Meldungen von Spatz, Segler und Schwalbe

Mehlschwalbe (Foto: Rosl Roessner, LBV Bildarchiv)
Mehlschwalbe (Foto: Rosl Roessner, LBV Bildarchiv)

(07.05.2018) Vom 10. bis 13. Mai 2018 rufen der Landesbund für Vogelschutz in Bayern gemeinsam mit seinem bundesweiten Partner NABU zum 14. Mal auf, bei der „Stunde der Gartenvögel“ mitzumachen. Diese Aktion gibt Aufschluss über die Entwicklung der heimischen Natur. In diesem Jahr bittet der LBV Augsburg aufgrund der immer prekärer werdenden Situation vieler „Allerweltsvögel“ um zusätzliche Meldungen von Spatzen, Schwalben und anderen gebäudebrütende Arten.

 

Die „Stunde der Gartenvögel“ (http://stunde-der-gartenvoegel.lbv.de/) liefert seit Jahren wichtige und teils überraschende Erkenntnisse über den Zustand der Natur in Bayern. Kein Wunder: Alljährlich nehmen tausende begeisterter Naturbeobachter daran teil und liefern somit eine Datenfülle, wie sie sonst nur mittels groß angelegter und teurer Studien möglich wäre. Leider geben die Ergebnisse selten Anlass zur Freude, sie bestätigen was bei immer mehr Menschen langsam ins Bewusstsein rückt: Unserer Natur geht es dramatisch schlecht. Die Lage unserer Vögel ist dabei ein entscheidender Zeiger für den Zustand der Natur allgemein – und dieser Zustand wird sich über kurz oder lang auch gravierend auf das Leben der Menschen auswirken. Gründliche Langzeiterhebungen ermöglichen daher gezielte Schutzmaßnahmen oder auch Argumentationshilfen gegenüber politischen Entscheidungsträgern.

 

Doch Natur bedeutet eben nicht nur traumhafte, unverbrauchte Landschaft – Natur ist auch mitten unter uns, in unseren Dörfern und Städten. Lange Zeit war diese Natur wie selbstverständlich da und es wurde ihr wenig Beachtung geschenkt. Doch nun ist auch sie stark bedroht. Unsere Kinder viele beispielsweise einstige „Allerweltsvögel“ wie Spatz oder Schwalbe wohl nur noch aus alten Kinderliedern oder Geschichten kennenlernen, wenn wir nicht rücksichtsvoller mit ihnen umgehen.

 

Noch ist es nicht zu spät und jeder kann mithelfen, wenn es um den Erhalt der Artenvielfalt geht. So nimmt sich der LBV Augsburg in diesem Jahr intensiv der so genannten „Gebäudebrüter“ an. Wolfgang Weiner, der Koordinator des Gebäudebrüter-Projekts beim LBV Augsburg, erläutert: „Gebäudebrüter sind Vögel oder Fledermäuse, die seit Jahrhunderten in der Nähe des Menschen leben und ihre Nester an Hauswänden, in Scheunen oder Ställen oder Kirchtürmen errichten. Sie sind Kulturfolger der ersten Stunde, was teils schon in ihren Namen wie Mauersegler, Haussperling, Hausrotschwanz oder Turmfalke zum Ausdruck kommt. Andere sind uns vertraut als Glücksboten und Frühlingsbringer wie Rauch- und Mehlschwalben. Lange Zeit fanden diese Tiere gute Lebensbedingungen selbst in der Großstadt Augsburg vor.“

All den gebäudebrütenden Arten ist gemein, dass ihnen ihre starke Orientierung auf Gebäude zum Verhängnis zu werden droht: Bei Hausmodernisierungen werden Nistplätze ohne Ersatz vernichtet. Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen werden Gelege oder Bruten zerstört. Kirchturmfenster werden verschlossen. Nicht selten werden Nester als „Schmutzbringer“ und Störfaktoren einfach abgeschlagen, was nicht nur Leben zerstört, sondern auch widerrechtlich ist. Pfützen werden zugeschüttet, Feldwege zubetoniert, was Schwalben die Suche nach Nistmaterial unmöglich macht. Die moderne Landwirtschaft räumt gründlich ab: Wo einstmals genug Sämereien und Getreide für Spatz und Co. übrig blieb, steht heute kein Halm mehr. Pestizideinsatz auf Feldern und sogar im Garten vernichten die letzten Insekten, die insbesondere während der anstrengenden Jungenaufzucht überlebensnotwendig wären. Die meisten der einstmals häufigen gebäudebrütenden Arten befinden sich daher in einem dramatischen Abwärtstrend, was jüngst ihre Aufnahme in die berühmt-berüchtigte Rote Liste belegt.

Um die Artenvielfalt zu erhalten, ist zunächst die Erfassung der Bestände sehr wichtig. Nur über eine gründliche Erhebung erhalten die Naturschützer Hinweise auf das Vorkommen der Tiere und können direkt auf öffentliche und private Bauträger zugehen. Denn fast immer könnten bei einem Neubau oder einer Sanierung Schutzmaßnahmen oder die Schaffung von Nisthilfen einbezogen werden, häufig fehlt es nur an der Sachkenntnis. Wolfgang Weiner vom LBV Augsburg meint dazu: „Artenschutz und Klimaschutz müssen und dürfen kein Widerspruch sein. Wir können mit etwas mehr Rücksicht und Bewusstsein bei allen Baumaßnahmen gleichzeitig Hilfestellung für Spatz, Schwalbe, Segler oder Fledermaus leisten. Wir bitten daher alle Teilnehmer an der Stunde der Gartenvögel, uns ihre Beobachtungen zu Gebäudebrütern gesondert zu melden.“

Der LBV Augsburg bietet dafür die Möglichkeit auf seiner Homepage www.augsburg.lbv.de, wo ein eigener Meldebogen für Gebäudebrüter zur Verfügung steht. Des Weiteren werden aber auch noch Kartierer und ehrenamtliche Helfer für das Projekt gesucht. Wer Interesse an der Teilnahme hat, kann sich an die LBV-Geschäftsstelle Augsburg, dagmar.blacha@lbv.de, wenden. Und für alle weiteren am Thema Interessierten gibt es eine Gebäudebrüter-Ausstellung im Botanischen Garten mit Begleitprogramm (18.5.-17.6.18), einen kostenfreien Vortrag zu Gebäudebrütern am 12.6.18 (10-12 h, Seminarraum des Botanischen Garten) sowie für Augsburger Schulen das Angebot zu einer kostenfreien Umweltbildungsaktion mit Nisthilfenbau, Präparaten, Spiel und viel Wissenswertem zu Spatz und Co. (Informationen über dagmar.blacha@lbv.de, Tel. 0173-3621145).

(Dagmar Blacha)


Kennen Sie die Schnatterente?

(01.05.2018) Schnatterenten brüten in Deutschland vor allem im nördlichen Teil der Republik. In Bayern sind sie dagegen seltene Brutvögel – hier nutzen sie beispielsweise die Donau, die Isar oder das Ismaninger Teichgebiet. Im Landkreis Augsburg können wir sie außerhalb der Brutzeit unter anderem regelmäßig an den Lechstaustufen, dem Bobinger Wertachstausee oder dem vom LBV gepachteten Burghofweiher bei Schwabaich beobachten. Sie halten sich bei uns überwiegend von Mitte August bis Mitte Mai auf, um dann schließlich unsere Region in Richtung ihrer Brutplätze zu verlassen. Einzelne Enten werden jedoch auch später bei uns gesichtet. Entdecken wir sie im Mai, empfiehlt es sich, die Tiere im Auge zu behalten und dem Gewässer noch weitere Besuche abzustatten, um festzustellen, ob sich nicht doch einzelne Brutpaare angesiedelt haben.

 

Die Vögel benötigen flache Stillgewässer bzw. langsam strömende Fließgewässer mit ausgeprägter Ufervegetation; für die Jungenaufzucht sind Laichkrautvorkommen wichtig. Durch diese Bindung an flache Gewässer sind die Enten zahlreichen Störungen ausgesetzt, beispielsweise können Spaziergänger, Freizeitsportler oder Angler die Tiere vertreiben.

 

Ein besonderes Ereignis wäre es, einen Brutnachweis für den Landkreis Augsburg zu erbringen. Ein Weibchen mit ihren Jungen wäre im Juni vor allem in der Abenddämmerung oder den frühen Morgenstunden zu entdecken. Als Brutnachweis gelten auch verleitende bzw. warnende und Feinde umfliegende Weibchen. Interessant wäre ebenfalls die Beobachtung eines Paares im Mai und anschließend eine Sichtung einzelner Tiere bzw. des Paares im Abstand von mindestens einer Woche. Damit hätte man zumindest einen Brutverdacht. Zu berücksichtigen ist dabei immer, dass unter den Enten nicht alle Tiere brüten und wir mit unverpaarten Exemplaren rechnen müssen. Auf jeden Fall sollten wir aufmerksam bleiben und Schnatterentenbeobachtungen ab Mai weitermelden. (Christiane Gebauer)


Wer sitzt denn da?

(30.03.2018) Im März und April treffen sie wieder ein –­ zunächst der Kurzstreckenzieher Zilpzalp, einige Zeit später der Zwillingsbruder Fitis aus dem tropischen Afrika. Jetzt stehen wir wieder vor dem Problem: “Wer sitzt denn dort im Busch?“ Singt der Vogel, ist das Rätsel bereits gelöst. Während der Fitis eine abfallende Folge weicher Pfeiftöne erklingen lässt, ruft der Zilpzalp einfach seinen Namen. Bleibt der Vogel stumm, müssen wir genauer hinschauen.

 

Zunächst einige Tipps: Ein Blick auf die Flügel kann helfen. Der Fitis hat längere Flügel. Die sichtbaren Handschwingen stehen länger über die Schirmfedern hinaus als beim Zilpzalp (siehe Zeichnungen Flügelschemata). Weiterhin hat der schlankere Fitis meist helle, der rundlichere Zilpzalp fast immer dunkle Beine. Ausnahmen bestätigen da aber die Regel. Die Vögel lassen sich ebenfalls am Verhalten unterscheiden, da der Zilpzalp im Gegensatz zum Fitis häufig mit dem Schwanz abwärts schlägt.

 

Die Betrachtung des Gefieders ist eine zusätzliche Entscheidungshilfe, der Fitis besitzt beispielsweise das ganze Jahr über einen deutlichen Überaugenstreif, anders als der Zilpzalp. Zu den verschiedenen Jahreszeiten sind die Vögel unterschiedlich gefärbt, am ähnlichsten sind sie sich im Frühjahr. Der Fitis ist dann grünlicher und relativ hell. Zu dieser Zeit ist sein Überaugenstreif gelblich, ebenso wie Kehle und Brust. Im Jugendkleid ist der Vogel stärker grün und gelb gefärbt. Auch im Herbst zeigt er eine grüne Ober-, eine häufig intensiv gelbe Unterseite sowie einen gelb gefärbten Überaugenstreif. Der Zilpzalp besitzt dagegen meist einen nur wenig über das Auge hinausreichenden Überaugenstreif. Seine Oberseite ist dunkler und eher olivfarben bis braun. Vor allem im Herbst zeigt er weniger Gelbtöne im Gefieder. Ein Zilpzalp im Jugendkleid hat im Vergleich zu den Altvögeln eine etwas grünlichere Oberseite, einen leicht graueren Kopf, ist an der Unterseite ein wenig gelblich gestreift und ist vor allem an den Brustseiten gelb.

 

Jetzt zum Praxistest: Wer sitzt denn auf dem Foto im Busch? Wie schwierig die Umsetzung von „grauer“ Theorie in der Praxis sein kann, sehen wir beim Blick auf die Flügel. Wie weit stehen die sichtbaren Handschwingen über die Schirmfedern hinaus? Wir benötigen unsere Vorstellungskraft. Viel Spaß beim Rätseln!

 

Ob Sie richtig geraten haben, können Sie HIER erfahren. (Christiane Gebauer)

 

 

Beispiel Fitis 1 (Quelle: Dr. Christoph Moning - LBV Bildarchiv)
Beispiel Fitis 1 (Quelle: Dr. Christoph Moning - LBV Bildarchiv)
Beispiel Fitis 2 (Quelle: Dr. Christoph Moning - LBV Bildarchiv)
Beispiel Fitis 2 (Quelle: Dr. Christoph Moning - LBV Bildarchiv)
Beispiel Zilpzalp 2 (Quelle: Rosl Rössner - LBV Bildarchiv)
Beispiel Zilpzalp 2 (Quelle: Rosl Rössner - LBV Bildarchiv)
Beispiel Zilpzalp 2 (Quelle: Rosl Rössner - LBV Bildarchiv)
Beispiel Zilpzalp 2 (Quelle: Rosl Rössner - LBV Bildarchiv)
Schema Fitisflügel
Schema Fitisflügel
Schema Zilpzalpflügel
Schema Zilpzalpflügel
Bin ich ein Fitis oder ein Zilpzalp?
Bin ich ein Fitis oder ein Zilpzalp?
 

Vogelwelt trifft Weltkultur - Teil 3

(25.03.2018) „Vogelwelt trifft Weltkultur“, so heißt unsere diesjährige Führungsreihe. Und bei Augsburgs historischem Wasserwerk hätte der Titel heute nicht besser passen können: Unter diesem welterbewürdigen Bauwerk fließt der Neubach durch, und genau dort ließen sich Wasseramsel und Gebirgsstelze in den Ferngläsern der Exkursionsteilnehmer bewundern. Leider spielten die Spechte nicht ähnlich gut mit. Eigentlich waren Grauspecht, Grünspecht und vor allem Mittelspecht „gebucht“, doch irgendwie hatte es ihnen heute die Sprache verschlagen. Gut möglich, dass wir direkt an ihnen vorbeimarschiert sind, ohne sie zu entdecken. Bei den Buntspechten hätte uns das nicht passieren können, überall trommelte oder „kixte“ es  bzw. waren wilde Verfolgungsflüge zu beobachten.

 

Wer Vogelstimmen kennenlernen möchte, sollte jetzt rausgehen. Noch ist die Schar der Sänger überschaubar. Wer heute dabei war, kennt künftig bestimmt den Kleiber (überall  waren die weithin tragenden Pfiffe zu hören), die Singdrossel (ließ uns nahe rankommen, und da sie alles drei- oder viermal sagt, bevor sie zur nächsten Strophe wechselt, stellt sich schnell der „Aha-Effekt“ ein) und den Zaunkönig (am Ufer wie eine Maus rumwuselnd, dann aber laut schmetternd in den Baum wechselnd).

 

Wenn es geplant gewesen wäre, müsste man von einer dramaturgisch perfekten Führung sprechen: Wenige Meter vor Ende der Tour, am Ausgang des Eiskanals, betrachteten wir gerade  den von unserer Wasseramsel AG betreuten Nistkasten , als uns am Lechufer 2 Wasseramseln auffielen, die Nistmaterial sammelten. Als sie losflogen, richteten alle gespannt ihren Blick auf den Kasten. Und tatsächlich, erst der eine, dann der andere Vogel verschwand darin.  Liebe Kastenverantwortliche: Erfolgskontrolle positiv! Und jede Menge Zeugen.

 

Wer nun auch gerne eine Wasseramsel sehen möchte oder den Singdrosselgesang noch nicht kennt: am Ostermontag gibt es die nächste Chance: Treffpunkt ist dann um 9 Uhr am Ostufer des Hochablasses, Beobachtungsschwerpunkt sind Kuhseeufer, Hochablass und alter Floßhafen. (Martin Trapp)


Der Star: Vogel des Jahres bei ATV

(24.03.2018) Man sieht es noch nicht wirklich, aber draußen zieht immer mehr der Frühling ein. Auch die Vögel kommen jetzt aus den Winterquartieren zurück wie die Stare zum Beispiel. Das nahm der Sender ATV zum Anlass, über den Vogel des Jahres 2018 zu berichten. Im Beitrag kommt auch unser erster Vorsitzender Martin Trapp zu Wort, erklärt wie die Stare einem Kälteeinbruch wie in diesem Jahr begegnen und weißt auf den inzwischen merklichen Bestandsrückgang des eigentlich noch häufigen Vogels hin.

 

Hier gelangen Sie zum Fernseh-Beitrag.

 

(Bernd Achtnicht)


Vogelwelt trifft Weltkultur 1

(06.03.2018) Am 4.3.2018 führte Martin Trapp eine Gruppe von 28 Teilnehmern rund um das Wasserkraftwerk auf der Wolfzahnau. Nach der klirrenden Kälte der letzten Wochen konnten die Spaziergänger die ersten zaghaften Balzgesänge einiger Vögel wie Blau-, Kohlmeise, Buchfink oder Zaunkönig im lichten Nebel des Auwaldes erleben. Buntspechte grenzten trommelnd ihre Reviere ab und sogar ein Mittelspecht ließ seine quäkenden Rufe erklingen.

 

Martin Trapp machte an diesem Märzmorgen nicht nur die langsam erwachende Natur erlebbar, sondern führte die Teilnehmer auch in die historische Bedeutung der Wasserwirtschaft in Augsburg ein. Die Wolfzahnau wird von den Flüssen Wertach und Lech eingegrenzt, im nördlichen Bereich dieses Gebietes fließt die Wertach schließlich in den Lech. Zusätzlich vereinigt sich südlich des Kraftwerkes das Wasser des gesamten Kanalsystems Augsburgs. Die Zuhörer erfuhren interessante Details über die historische und wirtschaftliche Bedeutung des 1901 errichteten größten Kraftwerkes der Stadt sowie der das Stadtgebiet durchfließenden Lechkanäle. Die Kanäle spielten einerseits für die industrielle Entwicklung der Region eine wichtige Rolle, bieten andererseits auch als grüne Adern Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Es treffen sich dort Weltkultur und Natur. (Christiane Gebauer)


Vorsicht – Erdkröten unterwegs!

(03.03.2018) Bald ist es wieder soweit. Wir werden an zahlreichen Straßen mit Warnschildern auf die Erdkrötenwanderung aufmerksam gemacht und sehen beispielsweise an der Wellenburg fleißige Naturschützer die Tiere in Eimern über die Straße tragen. Im März/April findet – abhängig vom Wetter – die Massenwanderung der Erdkröten statt. Die Tiere bevorzugen regnerische Nächte und benötigen nächtliche Temperaturen oberhalb von 3–4 °C um loszulaufen. Männchen wandern aus einer Entfernung von durchschnittlich 500 m an, Weibchen legen im Durchschnitt eine dreimal so große Strecke aus ihrem Winterquartier zurück.

 

Zunächst treffen am Laichgewässer die unverpaarten Männchen ein, einige Tage später die größeren Weibchen – oft bereits mit einem Partner auf dem Rücken. Erdkröten sind grundsätzlich laichplatztreu, d.h. sie wandern zu dem Gewässer, in dem sie sich selbst aus einer Larve entwickelt haben. Sie besiedeln aber auch neu entstandene Biotope. Zur Fortpflanzung werden große, gut besonnte Stillgewässer mit einer Mindesttiefe von 50 cm und mit Strukturen wie Schilf oder Äste bevorzugt. Fast alle Weibchen legen ihren Laich gleichzeitig innerhalb weniger Tage ab, um anschließend das Gewässer wieder zu verlassen. Die weiblichen Tiere laichen meist nur einmal in ihrem Leben. Die 3–5 m langen, doppelten Laichschnüre werden um Strukturen wie vorjähriges Schilf gewickelt und enthalten 3.000–8.000 Eier. Nach 1–3 Wochen schlüpfen aus ihnen schwarze Kaulquappen, die giftig sind, und deshalb von den meisten Fischen gemieden werden. Typisch für die Kaulquappen ist ihr Schwarmverhalten. Es dient den Larven als Schutz. Für ihre Fressfeinde ist es schwieriger, sie in dem Gewimmel des Schwarms zu erbeuten. 2–3 Monate nach dem Schlupf ist die Metamorphose von der Larve zur lungenatmenden Jungkröte abgeschlossen und die Tiere verlassen das Gewässer häufig in großen Mengen gleichzeitig. Wir Naturfreunde können dann den sogenannten „Froschregen“ erleben. (Christiane Gebauer)

Bauchansicht
Bauchansicht
Ein Männchen im Laichgewässer
Ein Männchen im Laichgewässer
Ein Paar beim Ablaichen mit doppelter Laichschnur
Ein Paar beim Ablaichen mit doppelter Laichschnur
Kleine Jungkröten
Kleine Jungkröten

Ausflug zum Schurrsee und den Fetzer Seen

(21.02.2018) Wie am vorangegangenen Monatstreffen asugemacht, traf sich am 11. Februar eine kleine LBV-Gruppe zu einem Halbtagesausflug und fuhr mit 2 Kleinbussen zum Gundelfinger Moos. Wir wollten Überwinterungsgäste auf dem Schurrsee, den Fetzer Seen und dem Weide- und Ackerland dazwischen beobachten.

 

Bei der Abfahrt sah es nach freundlichem Wetter aus, aber wir mussten eine Weile auch eisigem Wind und Schneetreiben trotzen. Wir zogen unsere Mützen und Kapuzen tief ins Gesicht und ich vergoß manche Träne, die der Wind mir trotz Fernglas vor den Augen entlockte. Die teilweise überschwemmten Wiesen waren gefroren, die Wasserflächen auf den Seen bis auf kleine Uferzonen aber frei. Außer uns war niemand unterwegs.

 

Wir bestiegen 2 Aussichtstürme und konnten so auch entfernt schwimmende oder grasende Arten bestimmen. Durch die Spektive waren die Vögel so nah, als ob sie uns zu Füßen saßen. Wir entdeckten Silber- und Graureiher, Kormorane, Höckerschwäne, 2 schon balzende Zwergsäger-Paare, Haubentaucher, Blässhühner, Nil-, Rost, Grau- und Blässgänse sowie Löffel-, Pfeif-, Stock-, Schnatter-, Schell- und Reiherenten. Auf den Wiesen pickten etliche Wacholderdrosseln zwischen zahllosen Graugänsen. Überall war ihr Geschnatter zu hören. Sogar eine Bekassine zeigte sich. Auf einem Zaunpfahl saß der Mäusebussard und vom Gehölzrand grüßten uns Kohl,- und Blaumeise, Kleiber, Mittelspecht und Feldsperling.

 

Das war ein interessanter und lehrreicher Ausflug im Kreise angenehmer und fröhlicher Teilnehmer und ich habe wieder Etliches gelernt. (Eva Maria Külls)


Warum sind unsere Wasservögel winterfest?

So funktioniert der "Wärmetauscher" in den Füßen der Wasservögel
So funktioniert der "Wärmetauscher" in den Füßen der Wasservögel
Ein sich das Bauchgefieder pflegender Höckerschwan
Ein sich das Bauchgefieder pflegender Höckerschwan

(27.01.2018) Auf dem Lech, der Wertach und unseren Stauseen sammeln sich im Winter zahlreiche Wasservögel, um an eisfreien Stellen die kalte Jahreszeit zu verbringen. Die Kälte scheint die Tiere nicht zu stören. Was macht sie so widerstandsfähig?

 

Zunächst besitzen die Vögel am Körper Daunenfedern, die vor Auskühlung bewahren und von Deckfedern geschützt werden. Das Gefieder ist wasserabweisend, da die Tiere regelmäßig ein öliges Sekret aus der Bürzeldrüse gründlich in ihm verteilen. So können Wasservögel Kälte und Nässe am geschützten Körper gut überstehen.

 

Was ist mit den unbefiederten Füßen? Warum verlieren Enten im kalten Wasser keine Wärme über ihre Füße? Wieso können sie barfuß über Eis laufen? Für dieses Problem hat die Natur eine kreative Lösung entwickelt – die Wasservögel leben nicht nur auf großem, sondern auch auf kaltem Fuß. Die Temperatur in ihm beträgt ca. 2 °C, im Körper dagegen 40 °C. Das kühle Blut aus den Füßen wird über feine Blutgefäße an dem wärmeren entlang geführt, das aus dem Körper fließt. Nach dem Prinzip des Wärmetauschers wird dabei die Temperatur des Blutes aus den Füßen erhöht, während sich das warme Blut aus dem Körper in die Füße abkühlt. So laufen die Enten über Eis, ohne dass es schmilzt und ohne dass die Füße festfrieren. (Christiane Gebauer)


Expedition nach Schwabaich!

 

(13.01.2018) Am 13. Januar bot der LBV-Augsburg wieder einmal die Gelegenheit die wundersame Hüft-oder Weihnachtsschwangerschaft  etwas zurückzubilden. Angedacht war ein Einsatz im Weiden- und Erlendschungel rund um die LBV-Biotope der ehemaligen Fischteiche bei Schwabaich.

 

Wie Martin Trapp in seiner Einladung zum Ärmelhochkrempeln angedeutet hatte, wäre das Wasserwirtschaftsamt daran interessiert, den Bewuchs auf den Deichen stark zu reduzieren. Die Gründe liegen in einer zu dichten Durchwurzelung und somit dem Absterben vieler älterer Wurzeln. Die dadurch entstehenden Hohlräume würden bei Hochwasser oder durch die, dem Winddruck ausgesetzten, belaubten Büsche den Teichgrenzen sehr schaden. Den „Biberrutschen“ nach zu urteilen, ist die Untertunnelung der Dämme durch die Nager auch nicht der Stabilität zuträglich.

 

Bei der Ankunft war daher schnell klar, es ist hier nicht mit Kosmetik getan. Auf das Ärmel hochkrempeln wurde, wegen der nicht gerade heimeligen Temperaturen verzichtet.

 

In seiner digitalen Einladung hat „Vereinsmotor“ Martin“ leider darauf verwiesen, es müssten ja nicht 51 Teilnehmer werden. Ein paar mehr hätten allerdings nicht mit einer Zurückweisung rechnen müssen. Auf einem Bild, wie früher bei Muttern mit Margarine, schmierte er Butterbrezen. Um die Moral seiner Mitstreiter ist er eben sehr besorgt.

 

Die Zahl 51 deshalb, weil zum Monatstreffen im Januar so viele dem Vortrag über die intimsten Verhaltensweisen der Starenvögel, gelauscht haben.

Freund Stampfer zündete hier ein Feuerwerk der Rundumbeobachtung seiner, beinahe schon, Familienmitglieder. Mit profimäßiger digitaler Ausrüstung wurden die Anflüge minutiös festgehalten, sogar noch in Präsentations- und tatsächliche Besuche des zukünftigen Heimes unterteilt. In den Filmabschnitten musste man den Eindruck gewinnen, der „bescheidene“ Vogel gab einem zu verstehen, bewundert mich endlich, ich bin hier der Star! Hätte der leidenschaftliche Autor, diese Forschungsreihe mit seinen unmittelbaren, menschlichen Nachbarn durchgeführt, ein kostenloser Aufenthalt, in einem möblierten Zimmer mit karierter Sonne, wäre ihm sicher gewesen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für diesen viel zu  schnell endenden, kurzweiligen Abend.

 

Nun aber wieder zurück nach Schwabaich. Dort angekommen waren bereits Unmengen von langem Gestrüpp abgesägt und auf den Wegen zur Einsammlung abgelegt worden. Beim Aufnehmen der zukünftigen Hackschnitzel, kam man sich vor, wie auf einer Ameisenstraße. Einige der Weidenruten wurden dem oder den Bibern mundgerecht im Wasser serviert. Wer glaubte mit der Anlieferung an den Häckselplatz wäre zunächst Brotzeit und anschließend Feierabend, sah sich getäuscht. Etwas entfernt, an einer Grenze zwischen Wirtschafts- und Biotopwiese, waren noch einige unförmige, ineinander verwachsene Bäume in Kopfweiden umzugestalten. Diese waren aber plötzlich nicht mehr wichtig, sah ich doch etwas entfernt von Grau- und Silberreihern, den nur im Winter brütenden, flugunfähigen, orangeroten Sägeschnäbler sitzen. Ein Bild von ihm war gerade noch  aufzunehmen, dann kletterte er auch schon wieder nach unten. Die Enttäuschung bei der Bilderauswertung  war groß als sich herausstellte, der unermüdlich sägende Biotopbetreuer Uwe, wurde mit der ausgestorbenen, ornithologischen Sensation verwechselt. Die Ähnlichkeit war aber auch zu groß!! Das Foto beweist es. Anfängerpech, leider. Nach den Restarbeiten und zufrieden mit dem Pflegeergebnis, ging es dann mit dem LBV-Bus wieder in Richtung Treffpunkt, der Sportanlage Süd, zurück.

 

Fazit:

Wer mit dieser Truppe unterwegs ist, dem wird es an Beschäftigung sowie an Spaß nie mangeln.

(Bernd Czerwenka)

Kann das wirklich der nur im Winter brütende, flugunfähige, orangerote Sägeschnäbler sein?
Kann das wirklich der nur im Winter brütende, flugunfähige, orangerote Sägeschnäbler sein?
 

Der Vogel des Jahres 2018: Der Star

(02.01.2018) Der Vogel des Jahres 2017 war der Waldkauz. Viele Mitglieder des LBV Augsburg wurden im Zuge der Eulenkartierung in diesem Jahr durch wundervolle Erlebnisse mit dem Kauz bereichert. Wir konnten den schaurig schönen Balzrufen lauschen und Jungvögel in Bäumen beobachten. Das Jahr ist nun zu Ende und jetzt heißt es: “Abschied nehmen.“

 

Wir wollen jedoch nicht traurig sein, sondern den Blick in die Zukunft wenden. Der Vogel des Jahres 2018 ist der Star, ein in Bayern durchaus noch häufiger Brutvogel. Dieser Singvogel mit dem wunderschön schillernden Gefieder führt Naturfreunde immer wieder in die Irre, da er andere Tierstimmen und Laute mit seinem Gesang imitieren kann. Stare ahmen Kiebitze oder Pirole, aber genauso das Klingeln eines Handys nach. Eine unvergessliche Erfahrung bleibt für alle Naturbegeisterte der Besuch eines Massenschlafplatzes, an dem sie den Massengesang der Tiere und die spektakulären Flugmanöver genießen können. (Christiane Gebauer)

LBV QUICKNAVIGATION