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(07.01.2022): Augsburgs Vogelwelt zum Jahreswechsel

Haben Sie 2022 schon eine Amsel gesehen, ein Rotkehlchen, oder gar einen Hausrotschwanz? Ich finde, es ist eine schöne Übung, zu Jahresbeginn mit geschärften Sinnen unsere Natur zu entdecken und den ersten Vertreter des Jahres 2022 auch von alltäglichen Arten ganz bewusst wahrzunehmen. Vogelbeobachtung ist im Winter durchaus lohnend. Wer füttert, kann so nah wie selten, direkt vor dem Fenster, am Vogelleben teilhaben. Und draußen sorgt das fehlende Laub für freien Blick bis in die Baumkronen. Auf einmal gibt es überall Kernbeißer, im Siebentischpark, am Europaweiher, in den Lechauen Nord, an der Wertach in Göggingen. 

 

Wenn so ein Kernbeißer mit seinem klobigen Schnabel vielleicht sogar an die Futterstelle am Haus kommt, ist er schnell Chef im Ring und die anderen Vögel halten respektvoll Abstand. Wer für ein vielfältiges Futterangebot sorgt, wird auch ganz verschiedene Arten anlocken. Wenn die Futtersäule nicht nur mit Sonnenblumenkernen, sondern auch mit kleineren Samen gefüllt ist, stehen die Chancen gut auf ganze Trupps von Stieglitzen und Erlenzeisigen. Wer auch Fett darbietet, eine Kalorienbombe, die viele Vögel im Winter besonders lieben, ist nicht nur Gastgeber für Kohlmeisen und Blaumeisen, sondern auch für die hübschen Schwanzmeisen und die akrobatischen Buntspechte (Bild).

6. Januar: Blaumeise und Buntspecht in Thierhaupten
6. Januar: Blaumeise und Buntspecht in Thierhaupten

Zugegeben, das Gedränge an der Fütterung ist momentan noch ausbaufähig. Aber noch gibt es im Wald und entlang unser Gewässer jede Menge samen- und beerentragende Bäume und Sträucher. Sind die erst einmal abgeerntet, sind die Futtergeräte in unseren Gärten willkommene Tankstellen für die Vogelschar.

 

Ein Waldspaziergang kann zur Zeit frustrierend ablaufen. Kilometerweit sieht und hört man keinen einzigen Vogel. Aber irgendwo findet man dann alle im gemischten Trupp. Nie sind die Arten so verträglich wie um diese Jahreszeit. Wer Hunger hat, darf seine Kraft nicht mit Streit vergeuden. Und so erlebt man Meisen, Finken, Spechte, Kleiber, wie sie alle zusammen ihre Runde drehen. Das sorgt für Sicherheit. Irgendeiner passt immer auf. Und das ist auch notwendig. Denn den Vogelscharen folgen auch Sperber und Habicht bis hinein in die Stadt. Und in der Nacht wird der Waldkauz, der den Tag bestens getarnt verschläft zum Vogeljäger. 

Sind Sie sicher, dass Sie ihr garteneigenes Rotkehlchen, ihre Haus- und Hofmeise füttern? Unsere Meisen bleiben den Winter über da, unsere Rotkehlchen ziehen meist in den warmen Süden. Aber viele Meisen und Rotkehlchen aus Skandinavien, Nordpolen oder dem Baltikum verstärken die Vogelschar in unseren Gärten. Und unter Buchfinkentrupps findet man die skandinavische Verwandtschaft, die Bergfinken. Nicht weil es in ihrer Heimat zu kalt ist, sondern aus Futtermangel dort. Kälte ist für Vögel nicht das Hauptproblem, die haben schließlich immer ihre Daunenjacke dabei. Aber wenn Schnee oder Eis den Zugang zum Futter verwehren, droht schnell der Hungertod. 

 

Und doch gibt es auch bei unseren Zugvogelarten immer wieder Individuen, die sich die strapaziöse Reise in das Winterquartier sparen und lieber versuchen, hier vor Ort über die Runden zu kommen. Achten Sie doch mal auf auf Zilzalp und Hausrotschwanz, oft finden sie entlang Wertach und Lech noch am ehesten ihre Insektennahrung. Und auch bei den großen Scharen an Bluthänflingen, Stieglitzen, Buchfinken und Goldammern die sich auf unserer Feldflur an den stehengebliebenen Resten von Blühflächen gütlich tun, kann man durchaus die eine oder andere Rohrammer entdecken. Oder durchmustern Sie doch mal einen Trupp Wacholderdrosseln, ebenfalls Gäste aus dem Osten, die sich futtersuchend über die Wiesen bewegen. Da schließt sich gerne manch hiergebliebener Star an. 

Die Wertach in Göggingen lohnt immer einen Besuch, auch im Winter. Viele Schnatterenten und Reiherenten, aber auch Pfeifenten und einzelne Kolbenenten verbringen hier die kalte Jahreszeit. Jede Menge Zwergtaucher und Teichhühner finden hier den geeigneten Winterlebensraum Und unsere Graureiher bekommen im Winter Gesellschaft von vielen Silberreihern. Also, packen Sie sich warm ein und machen Sie doch einen Spaziergang. Am besten nehmen sie gleich ihr Fernglas mit. Vogelbeobachtung lohnt, auch im Winter, auch mitten in Augsburg.

(Martin Trapp)