Aktuelle Berichte und Informationen 2022

(10.02.2022) Wir suchen ehrenamtliche Verstärkung für unsere LBV- Geschäftsstelle in Augsburg

Liebe Mitglieder, liebe Freunde des LBV Augsburg,

 

ich mache es mir diesmal ganz einfach und schmücke mich komplett mit fremden Federn:

 

Die Bilder stammen von Thomas Kranzfelder. Sie dokumentieren die letzte Woche angebrachte Außen- und Innengestaltung unserer Geschäftsstelle gemäß der wunderschönen Konzeption von Nina Winkler. Und sie zeigen unser fleißiges Wandstreich-, Küchenkachel- und Möbelaufbauteam Willi und Dietrich (auch bekannt als Hochentaster-, Balkenmäh-, Mauerseglerkästeneinbau- und Fledermauskellertürenkonstruktionsteam).

 

Der nachfolgende Text stammt von Theresa Raunecker, der Ehrenamtsbeauftragten des Landesbund für Vogelschutz in Schwaben. Theresa freut sich, dass sich ihr Dienstsitz außer in der Bezirksgeschäftsstelle Memmingen nun auch einen Tag pro Woche in unserer schönen Geschäftsstelle befindet und hat uns vor lauter Begeisterung gleich textmäßig weitergeholfen:

 

Liebe Aktive,

unsere neue Geschäftsstelle in der Gögginger Straße nimmt so langsam Form an. Wir haben Wände gestrichen, Bilder aufgehängt, die meisten Möbel sind da und auch die Außenansicht unserer Geschäftsstelle kann sich definitiv sehen lassen! 

Nun wollen wir die Räumlichkeiten aber auch beleben. Neben der internen Nutzung der Räumlichkeiten für kleinere Treffen, möchten wir die Geschäftsstelle auch als Anlaufstelle für Naturinteressierte nutzen, die Kontakt zur Kreisgruppe suchen, Fragen zum LBV, zur Vogelfütterung etc. haben. Auch der Verkauf von Produkten aus unserem LBV-Naturshop ist geplant, wenn auch mit einer zunächst sehr kleinen Produktpalette. 

Das alles geht aber natürlich nur, wenn wir Aktive finden, die Lust haben, sich hier einzubringen und Ansprechpartner für Interessierte Besucher*innen und Kund*innen zu sein und deshalb kommt hier unser Aufruf:

 

Wir suchen:

Verstärkung für unser Geschäftsstellen-Team!

 

Voraussetzungen:

In erste Linie Freude am Umgang mit Menschen – für alles Weitere gibt’s eine Schulung bevors losgeht!

 

Der „Arbeitsplatz“:

Unsere Geschäftsstelle in der Gögginger Str. 24 in Augsburg.

Ihr seid immer in Zweierteams für jeweils drei Stunden im Einsatz.

Es gibt natürlich eine Toilette, eine Küche mit Kaffeemaschine und Getränken für Euch und ihr könnt auch gerne Lesestoff oder eigene Arbeit mitbringen und nebenher machen (wir erwarten jetzt zu Beginn noch keine so riesigen Besucherströme, da wird’s sicher immer wieder Leerlauf geben)

 

Öffnungszeiten:

Da wir nur sehr wenige Stunden die Woche offiziell geöffnet haben, sind feste Zeiten natürlich umso wichtiger. Wir haben folgende Zeiten geplant:

Donnerstag 9 -12 Uhr

Freitag 9 -12 Uhr | 14 – 17 Uhr

Samstag 9 – 12 Uhr

 

Wer Lust hat, meldet sich bitte mit Angabe zur zeitlichen Verfügbarkeit (also lieber eine feste Schicht oder wechselnde Termine, wie oft – einmal pro Woche, alle zwei Wochen -  und welche Tage grundsätzlich gehen) damit wir besser planen können.

 

Wir freuen uns sehr, wenn wir hier ein kleines Team zusammenzustellen können. Die Geschäftsstelle ist eine tolle Chance für uns und unsere Belange Werbung zu machen und die müssen wir einfach nutzen! 

 

Soweit Theresas Motivationsschreiben. Wer bereits Wirkung verspürt, meldet sich gerne bei mir unter augsburg@lbv.de oder martin.trapp@lbv.de oder ruft morgens unsere Geschäftsstellenleiterin Dagmar Blacha an unter 0173/3621145.  

 

Mit besten Grüßen

Martin Trapp

(02.02.2022) Online-Vortrag: Unsere heimischen Spechte und das LBV-Kleinspechtprojekt

Liebe Mitglieder, liebe Freunde des LBV Augsburg,

 

bei unseren Monatstreffen im Wirtshaus haben immer alle alle gesehen und gehört, Kamera und Mikrofon ausschalten hätte da niemandem genutzt. Da dort aber auch alle alle anstecken können, greifen wir nächste Woche stattdessen wieder zu Zoom und bieten einen online-Vortrag, der weit mehr ist als ein Trostpflaster:

 

Mittwoch, 2. Februar, 19:00 Uhr

Simon Niederbacher

Unsere heimischen Spechte und das LBV-Kleinspechtprojekt

 

Zoom-Meeting beitreten

https://us06web.zoom.us/j/84858009434?pwd=TGE1b09KTVRzSGJwVXFCeGFBTXV5Zz09

Meeting-ID: 848 5800 9434

Kenncode: 380577

 

Spechte gehören jedes Jahr zu den ersten Vögeln, die uns mit ihren Verfolgungsflügen von Baum zu Baum und ihrem auffallenden Trommeln spüren lassen, dass der Frühling wieder kommen wird. Spechte beginnen früh mit der Balz, müssen die auch, als aggressive Einzelgänger brauchen die lange, bis die sich wieder aneinander gewöhnt haben. Sechs Spechtarten sind zur Zeit in und um Augsburg zu beobachten, Simon Niederbacher wird sie uns vorstellen. Sein Vortrag bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, mit einer überschaubaren Artengruppe tiefer in die Vogelbestimmung einzusteigen.

Sein Vortrag ist aber auch ein Mitmachangebot. Vielleicht ist, wenn wir den Rechner ausschalten, der erste Schritt getan zu einer  Bürgerwissenschaftler*innenkarriere (neudeutsch citizen scientist, da geht es auch ohne *).

 

Unser Referent wird uns nämlich auch das Spechtmodul und das LBV-Kleinspechtprojekt vorstellen.

Das Spechtmodul ist eine noch relativ neue Erfindung des Dachverband deutscher Avifaunisten (DDA). Es ist ein Baustein zur Ermittlung von Bestandsveränderungen mittelhäufiger und seltener Brutvögel in Deutschland. In Bayern wird es von Michael Schmolz von der staatlichen Vogelschutzwarte koordiniert, unserem Referenten neulich. Es ist ganz einfach: man überlegt sich, wo man einen der selteneren Spechte (Mittelspecht, Kleinspecht, Schwarzspecht, Grauspecht, nach diesem Vortrag kennt die jeder) schon mal gesehen hat und definiert dort eine jährlich zu begehende Route. Die läuft man zwei Mal im Jahr zu vorgegebenen Terminen ab, sagen wir, einmal im März, einmal Anfang April. Und alle 300 m, jedes Jahr an der selben Stelle, spielt man mit Handy und kleinem Lautsprecher die Spechtrufe ab. Das nennt man Klangattrappe und das provoziert die Spechte zum antworten oder herfliegen. Da das für die Tiere Stress ist, die glauben ja an einen Konkurrenten, ist das übrigens nach Naturschutzrecht verboten. Aber als Citizen Scientist ist man im Auftrag von Forschung und Naturschutz unterwegs. Und das macht man dann jedes Jahr. Zwei Vormittage, vier Arten, wenn das nicht einfach ist!

 

Da man vom Kleinspecht besonders wenig weiß, sammelt der LBV zusammen mit der hessischen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in einem weiteren Projekt Daten zur Verbreitung und zum Brutverhalten dieses nur spatzengroßen Spechts. Dazu wird einfach das beschriebene Spechtmodul für die 4 seltenen Arten benutzt und um eine dritte Begehung zur Suche nach Kleinspechthöhlen ergänzt. Drei Vormittage, vier Arten, immer noch einfach. Simon Niederbacher ist der Leiter des LBV-Kleinspechtprojektes, wir bekommen die Informationen also aus erster Hand. Robert Kugler von der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft im Naturwissenschaftlichen Verein und ich haben uns bereits einige Routen für Augsburg und Umgebung überlegt und würden die am Mittwoch zu gerne vergeben. Man muss sich am Mittwoch nicht alles merken, nur relativ schnell entscheiden, denn die Spechtsaison beginnt in Kürze. Der LBV bietet allen Interessenten eine ergänzende Online-Schulung zur Methodik und wer keinen Minilautsprecher hat, bekommt einen vom LBV gestellt.

 

Jetzt habe ich schon ganz schön viel verraten. Spechte gehören übrigens zu meinen Lieblingsarten, es fällt mir ganz schön schwer, hier Routen anzubieten und nicht gleich selbst zuzugreifen, das sind wirklich überschaubare und spannende Monitoringprojekte.  Aber auch wer sich "nur" weiterbilden möchte ist an diesem Abend garantiert richtig.

 

Bis Mittwoch also!

 

Mit besten Grüßen

Martin Trapp

(07.01.2022): Augsburgs Vogelwelt zum Jahreswechsel

Haben Sie 2022 schon eine Amsel gesehen, ein Rotkehlchen, oder gar einen Hausrotschwanz? Ich finde, es ist eine schöne Übung, zu Jahresbeginn mit geschärften Sinnen unsere Natur zu entdecken und den ersten Vertreter des Jahres 2022 auch von alltäglichen Arten ganz bewusst wahrzunehmen. Vogelbeobachtung ist im Winter durchaus lohnend. Wer füttert, kann so nah wie selten, direkt vor dem Fenster, am Vogelleben teilhaben. Und draußen sorgt das fehlende Laub für freien Blick bis in die Baumkronen. Auf einmal gibt es überall Kernbeißer, im Siebentischpark, am Europaweiher, in den Lechauen Nord, an der Wertach in Göggingen. 

 

Wenn so ein Kernbeißer mit seinem klobigen Schnabel vielleicht sogar an die Futterstelle am Haus kommt, ist er schnell Chef im Ring und die anderen Vögel halten respektvoll Abstand. Wer für ein vielfältiges Futterangebot sorgt, wird auch ganz verschiedene Arten anlocken. Wenn die Futtersäule nicht nur mit Sonnenblumenkernen, sondern auch mit kleineren Samen gefüllt ist, stehen die Chancen gut auf ganze Trupps von Stieglitzen und Erlenzeisigen. Wer auch Fett darbietet, eine Kalorienbombe, die viele Vögel im Winter besonders lieben, ist nicht nur Gastgeber für Kohlmeisen und Blaumeisen, sondern auch für die hübschen Schwanzmeisen und die akrobatischen Buntspechte (Bild).

6. Januar: Blaumeise und Buntspecht in Thierhaupten
6. Januar: Blaumeise und Buntspecht in Thierhaupten

Zugegeben, das Gedränge an der Fütterung ist momentan noch ausbaufähig. Aber noch gibt es im Wald und entlang unser Gewässer jede Menge samen- und beerentragende Bäume und Sträucher. Sind die erst einmal abgeerntet, sind die Futtergeräte in unseren Gärten willkommene Tankstellen für die Vogelschar.

 

Ein Waldspaziergang kann zur Zeit frustrierend ablaufen. Kilometerweit sieht und hört man keinen einzigen Vogel. Aber irgendwo findet man dann alle im gemischten Trupp. Nie sind die Arten so verträglich wie um diese Jahreszeit. Wer Hunger hat, darf seine Kraft nicht mit Streit vergeuden. Und so erlebt man Meisen, Finken, Spechte, Kleiber, wie sie alle zusammen ihre Runde drehen. Das sorgt für Sicherheit. Irgendeiner passt immer auf. Und das ist auch notwendig. Denn den Vogelscharen folgen auch Sperber und Habicht bis hinein in die Stadt. Und in der Nacht wird der Waldkauz, der den Tag bestens getarnt verschläft zum Vogeljäger. 

Sind Sie sicher, dass Sie ihr garteneigenes Rotkehlchen, ihre Haus- und Hofmeise füttern? Unsere Meisen bleiben den Winter über da, unsere Rotkehlchen ziehen meist in den warmen Süden. Aber viele Meisen und Rotkehlchen aus Skandinavien, Nordpolen oder dem Baltikum verstärken die Vogelschar in unseren Gärten. Und unter Buchfinkentrupps findet man die skandinavische Verwandtschaft, die Bergfinken. Nicht weil es in ihrer Heimat zu kalt ist, sondern aus Futtermangel dort. Kälte ist für Vögel nicht das Hauptproblem, die haben schließlich immer ihre Daunenjacke dabei. Aber wenn Schnee oder Eis den Zugang zum Futter verwehren, droht schnell der Hungertod. 

 

Und doch gibt es auch bei unseren Zugvogelarten immer wieder Individuen, die sich die strapaziöse Reise in das Winterquartier sparen und lieber versuchen, hier vor Ort über die Runden zu kommen. Achten Sie doch mal auf auf Zilzalp und Hausrotschwanz, oft finden sie entlang Wertach und Lech noch am ehesten ihre Insektennahrung. Und auch bei den großen Scharen an Bluthänflingen, Stieglitzen, Buchfinken und Goldammern die sich auf unserer Feldflur an den stehengebliebenen Resten von Blühflächen gütlich tun, kann man durchaus die eine oder andere Rohrammer entdecken. Oder durchmustern Sie doch mal einen Trupp Wacholderdrosseln, ebenfalls Gäste aus dem Osten, die sich futtersuchend über die Wiesen bewegen. Da schließt sich gerne manch hiergebliebener Star an. 

Die Wertach in Göggingen lohnt immer einen Besuch, auch im Winter. Viele Schnatterenten und Reiherenten, aber auch Pfeifenten und einzelne Kolbenenten verbringen hier die kalte Jahreszeit. Jede Menge Zwergtaucher und Teichhühner finden hier den geeigneten Winterlebensraum Und unsere Graureiher bekommen im Winter Gesellschaft von vielen Silberreihern. Also, packen Sie sich warm ein und machen Sie doch einen Spaziergang. Am besten nehmen sie gleich ihr Fernglas mit. Vogelbeobachtung lohnt, auch im Winter, auch mitten in Augsburg.

(Martin Trapp)