2014 LBV-Glücksspirale-Projekt: Erfassung und Förderung der "Erdspechte" in Parks, Grünanlagen und Auwaldresten von Augsburg

Bearbeiter: Dr. Hermann Stickroth, Augsburg

 

Gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale

Zusammenfassung

Die „Erfassung und Förderung der ,Erdspechte' in Parks, Grünanlagen und Auwaldresten von Augsburg“ war das Projekt 2014 des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e. V. (LBV), Kreisgruppe Augsburg. Gefördert wurde das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfond aus den Mitteln der GlücksSpirale.

Gefährdung der Artenvielfalt in den Städten

Bereits das GlücksSpiraleprojekt „Augsburger GARTENvogelOASEN“ (LBV-Projekt 08/2012) bestätigte die Artenvielfalt in den Kleingärten, Friedhöfen und Grünanlagen von Augsburg. Durch Verdichtung und Versiegelung unterliegt sie jedoch Gefährdungen, die durch das Anwachsen der städtischen Bevölkerung künftig zunehmen werden.

Das Projekt 2014 knüpfte daher unmittelbar an das Vorgängerprojekt an und zielte auf die von Bäumen dominierten Grünflächen ab, so dass mit beiden Projekten die städtischen Grünflächen nahezu vollständig abgedeckt wurden. Zielarten in 2014 waren die Spechte, insbesondere der Grünspecht, welcher 2014 auch Vogel des Jahres war.

Erfassung im Reich der Parkspechte

Die Spechte und anderen Brutvögel wurden in 44 Grünflächen kartiert. Dazu kamen 13 Gebiete, die bereits 2012 erfasst worden waren. Allein in 2014 zählten 28 Kartierer des LBV sowie des Naturvvissenschaftlichen Vereins für Schwaben 12.064 Vögel aus 85 Arten; mit 2012 waren es 13.771 Vogelindividuen in den gemeinsam betrachteten Lebensräumen. 63 Arten wurden als Brutvögel gewertet und 4.756 Vogelrevieren zugeordnet. Die häufigste Art war wie schon 2012 die Amsel, gefolgt von Kohlmeise, Buchfink und Mönchsgrasmücke. Aufgrund der Auwaldreste war auch der Zaunkönig unter den Top 10-Arten. Zu den häufigsten Arten zählten ferner Buntspecht, Saatkrähe und Rabenkrähe. Anders als im Projekt 2012, bei dem der Schwerpunkt auf den Kleingartenanlagen lag, konnten

Feldsperling, Star und Grünfink nicht auf den vorderen Rängen festgestellt werden.

 

Am meisten Arten wurden in den Auwaldresten des Lechs (einschließlich Kuhseegebiet, Siebentischpark und Wolfzahnau) gefunden. Auch die Friedhöfe nahmen hohe Ränge ein. Die Grünflächen in Augsburg sind aber insgesamt als artenreich und naturnah anzusehen. Artenreicher als die Auwaldreste mit 1.561 Brutpaaren (alle Arten) waren mit 3.209 Brutpaaren nur die Kleingartenanlagen (im Jahr 2012).

Veränderungen lokal und überregional

Aufgrund früherer Kartierungen konnten Veränderungen der Vogel-Artenvielfalt aufgezeigt werden. Eine starke Zunahme der Häufigkeiten von 2002 bis 2014 ergab sich in den „Auwaldresten am Lech“. Abnahmen wurden dagegen in Wittelsbacher Park, Wolfzahnau, Protestantischer Friedhof und Siebentischpark verzeichnet. Dies war jedoch auf überregionale Abnahmen typischer dort lebender Arten zurückzuführen.

 

Abweichend vom bundesweiten Trend zeigten 18 Arten einen positiven Trend. Buntspecht (Foto), Grünspecht, Mittelspecht und Kleiber entwickelten sich positiv und stimmen damit mit dem bundesweiten Trend überein. Unverändert, aber günstiger als in Deutschland waren 7 weitere Arten. Dagegen zeigten 12 Arten einen schlechteren Trend als im Bundesgebiet. Teilweise dramatische Abnahmen sowohl überregional, als auch lokal verzeichneten 13 Arten, darunter Arten wie Girlitz, Grauschnäpper, Kernbeißer, Waldlaubsänger, Star, Gelbspötter, Rotkehlchen, Buchfink, Grünfink und Heckenbraunelle.

 

Seit 1982 im Stadtgebiet als Brutvögel neu aufgetreten sind Birkenzeisig, Dorngrasmücke, Ringeltaube und Graureiher. Baumfalke und Waldohreule fehlten 2014.

Grünspecht - Vogel des Jahres 2014

Auch in den früheren Kartierungen war der Grünspecht als bedeutsam für die innerstädtischen Grünflächen von Augsburg dargestellt worden. Insgesamt brüten in Augsburg derzeit 34 bis 51 Brutpaare, davon etwa 25 bis 30 Brutpaare im städtischen Umfeld von Augsburg. Trotz einer moderaten Zunahme gab es auch lokale Rückgänge, etwa im Bereich der Wallanlagen und im Textilviertel, wo frühere Reviere durch städtebauliche Maßnahmen zerstückelt oder verkleinert wurden.

 

Die Augsburger Population des nahe verwandten Grauspechtes wurde auf 6 bis 12 Brutpaare geschätzt; er kommt nicht in den innerstädtischen Grünflächen vor, lässt aber auch keine Abnahme wie im übrigen Deutschland erkennen. Vom Wendehals, der wie vorgenannten „Erdspechte“ am Boden gerne nach Ameisen sucht, konnte gegenüber 2014 (2 BP) kein weiteres Vorkommen entdeckt werden.

Mittler, Kleiner und Großer Buntspecht

Der Mittelspecht (Foto), Leitart tot- und altholzreicher Eichenund Mischwälder, ist südlich der Donau nur sehr lückig verbreitet. ln Augsburg brütete er spätestens seit 1949, aber nur unstet, seit Ende der 1980er Jahre dann immer regelmäßiger, 2000 in 2 bis 4 Brutpaaren und 2014 in wenigstens 8 Brutpaaren. Dagegen ist vom Kleinspecht eine negative Entwicklung zu verzeichnen. 2014 wurde er überhaupt nicht gefunden, obwohl im ABSP der Stadt Augsburg

von bis zu 10 Brutpaaren ausgegangen wird.

 

Der häufigste Specht in Augsburg ist der Buntspecht. Sein Bestand dürfte seit 2002 von 170-220 auf wenigstens 320 Brutpaare angestiegen sein, davon gut 200 Brutpaare in den Stadtlebensräumen von Augsburg (Parks, Auwaldreste, Kleingartenanlagen).

Gartenrotschwanz - die Fortsetzung

Bei der Kartierung 2014 wurden 4 weitere Brutpaare des Gartenrotschwanzes gefunden, so dass der derzeitige Bestand auf 47 Brutpaare geschätzt werden kann. Nichts desto trotz fehlt er in manchen Stadtteilen, wo er früher vorkam. Der Erhaltung und Aufwertung von Gärten und Kleingartenanlagen kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Auch in Friedhöfen, in denen nur eine geringe Zahl von Nistkästen festgestellt wurde, gibt es noch Potenzial für eine positive Entwicklung.

Umsetzungsprojekte

Zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Wendehals, Erdspechten und anderen Park- und Gartenvögeln wurden Gespräche mit städtischen Behörden und anderen Akteuren in naturschutzrelevanten Bereichen geführt, Projekte angeschoben und umgesetzt. Vieles ist noch nicht abgeschlossen, sondern markiert den Anfang eines längeren Umsetzungsprozesses. Insbesondere wurde es möglich, in städtischen Liegenschaften 90 Nistkästen (inkl. 18 Fledermauskästen) aufzuhängen, deren Kosten das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen übernahm. lm weiten Umfeld der Siebenbrunner Wiesen haben wir 30 Wendehals-Nistkästen aufgehängt, um die kleine Restpopulation zu stützen und mittelfristig eine Rückbesiedelung der Kleingartenanlagen „Am Kleingartenweg“ sowie „Alpenblick“ zu ermöglichen. Auch zur Berücksichtigung bei den Ausgleichsplanungen für Wertach Vital haben wir unsere Kartierergebnisse und Empfehlungen weitergegeben. Schließlich beteiligten wir uns an der Forschungsaktion Grünspechtnistkasten des NABU und brachten zwei 3er-Set unterschiedlicher Nistkastentypen im Bereich der „Wertachleite Bärenkeller“ sowie in den „Parkanlagen des Klinikums“ an, die 2014 jedoch nicht vom Grünspecht angenommen wurden.