Arbeitsgruppe Schleiereule

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen Informationen zur "Arbeitsgruppe Schleiereule" sowie zu einigen der bisherigen Aktivitäten geben. Sie können die Seite von "oben nach unten" lesen oder mit nachstehenden Verweisen direkt zu den jeweiligen Abschnitten springen:

 

Informationen zur Arbeitsgruppe Schleiereule

Schleiereulen (Foto: Gerhard Höret)
Schleiereulen (Foto: Gerhard Höret)

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es inzwischen her, dass sich neun Mitglieder der LBV-Kreisgruppe Augsburg zusammengetan haben, um sich um die Schleiereule im Großraum Augsburg zu kümmern.

 

Kaum jemand wusste damals, ob und in welcher Größenordnung diese wunderschöne Eule bei uns überhaupt noch vorkam, sah man von seltenen Meldungen aus der Bauernschaft ab. Aus der Literatur konnte allerdings entnommen werden, dass z. B. in Baden-Württemberg recht ordentliche Vorkommen verzeichnet wurden, weil dort einige engagierte Vogelfreunde Nistkästen in größerer Zahl – speziell für diese Eulenart – in Kirchtürmen und Feldscheunen angebracht hatten.

 

So machten wir uns ebenfalls daran, solche Nistkästen (1 auf 1 auf 0,5 Meter in den Ausmaßen) zu bauen bzw. im weiteren Verlauf von Übungswerkstätten bei Kolping oder am Beruflichen Fortbildungszentrum anfertigen zu lassen. Die Materialkosten übernahm die Regierung von Schwaben.

 

Alsdann mussten geeignete Standorte ausfindig gemacht werden. Wir schwärmten zunächst aus, um passende Lebensräume zu ermitteln, in denen neben der Geländestruktur auch ausreichende Mäusevorkommen vermutet werden durften. Fanden wir dort uns zusagende Scheunen, musste erst die Einwilligung der Besitzer eingeholt werden, damit wir die Nistkästen vornehmlich im Giebelbereich anbringen durften.

Ausgerüstet mit dem notwendigen Werkzeug, manchmal sogar mit einem Stromgenerator, brachten wir dann in doch recht aufwändigen und manchmal nicht ungefährlichen Aktionen im Laufe der nächsten Jahre an die 80 Nistkästen an. Auch entdeckten wir eine Reihe von Privatpersonen, die in Eigeninitiative bereits Nistkästen montiert hatten, die wir dann mitbetreuen durften.

 

Bei den jährlich meist Ende Juni oder Anfang Juli durchgeführten Kontrollen war es jedes Mal spannend, ob und in welcher Zahl die Schlei­er­eu­len unser Engagement gewürdigt hatten. In den ersten Jahren stiegen die Brutzahlen sukzessive an, woraus wir schließen konnten, dass die Schlei­er­eu­len in der Tat einen dringenden Bedarf an Brutgelegenheiten hatten und dieser nun durch unser Nistkastenangebot erfüllt wurde. Der davor liegende Mangel lag wohl hauptsächlich darin begründet, dass damals durch Renovierungsarbeiten und auch zum Zweck der Taubenabwehr die über Jahrzehnte genutzten Zugänge zu den ursprünglichen Brutplätzen verloren gegangen waren. 

 

Die neuen Nistkästen schufen nicht nur neue Brutmöglichkeiten an sich. Die jeweils an der Innenwand einer Scheune angebrachten und nur durch ein Einflugloch von außen zugänglichen Kästen hatten außerdem den großen Vorteil, dass der ärgste Feind der Schleiereule, nämlich der Steinmarder, ausgesperrt wurde und sich nicht mehr über die Brut hermachen konnte.

Es dauerte zwar einige Jahre, bis sich unsere Aktion in Schleiereulenkreisen herumgesprochen hatte. Aber bereits 1993 konnten wir schon 27 Bruten ermitteln, was sich die nächsten Jahre in dieser Größenordnung hielt. Wie aus dem nachstehenden Diagramm indes zu entnehmen ist, sind die Schwankungen in den Brutzahlen mit den Jahren immer größer geworden und die Tendenz geht eindeutig nach unten. Und jedes Mal, wenn die Zahlen sehr abgefallen waren, suchten wir immer von Neuem nach einer plausiblen Erklärung hierfür. Da das erreichte Nistkastenangebot seit Jahren konstant geblieben ist, musste es andere gewichtige Gründe geben. 

 

Entwicklung des Schleiereulenbestands im Raum Augsburg
Entwicklung des Schleiereulenbestands im Raum Augsburg

Dass Ausschläge nach oben oder unten „zum Geschäft“ gehören, ist Fakt. Harte und schneereiche Winter verwehren der Schleiereule den Zugang zu ihrer Hauptnahrung, der Feldmaus. Nasse Frühjahrsmonate reduzieren den Mäusebestand, massive Populationsschwankungen, wie das Zusammenbrechen von Gradationsphasen, tun ein Übriges. Aber man muss auch konstatieren, dass sich die von den Schlei­er­eu­len bevorzugt besiedelten Habitate durch die Entwicklungen in der modernen Landwirtschaft deutlich verändert haben. 

 

Tritt allerdings – wie in diesem Jahr in Mittel- und Oberfranken – eine ausgesprochene Massenvermehrung von Feldmäusen auf, dann gehen die Brutzahlen schnell wieder deutlich nach oben. Daraus folgt, dass die Schleiereule, auch wenn sie in den letzten Jahren kaum zur Brut schreiten wollte, dennoch anwesend ist und dann sogleich ein plötzlich hohes Nahrungsangebot zur Fortpflanzung nutzt, sogar so intensiv, dass sie wie in diesem Sommer im Norden Bayerns häufig ein zweites Mal gebrütet hat.

 

Die Landwirte im Landkreis Augsburg waren sicher froh, dass es 2016 keine Mäuseplage gegeben hat. Dem entsprechend konnten wir in diesem Jahr nur sechs Bruten feststellen. Aber wir haben in all den Jahren gelernt, auch mit schlechten Zahlen umzugehen und die Hoffnung für die Zukunft nicht aufzugeben.

 

Wir werden weiterhin die jährlichen Kontrolltouren absolvieren, wenn notwendig, zu hoch gewordene Gewölleschichten entfernen, hin und wieder einen in die Jahre gekommenen Kasten erneuern, und wir werden wie bisher gespannt sein, was sich dabei an besonderen Ent­de­ckun­gen ergibt.

 

Ein leerer Nistkasten ist immer eine Enttäuschung, ein Gelege mit Euleneiern oder gar der Blick auf noch nicht flügge Jungvögel dagegen eine Freude. Liegen frische Gewölle von Schlei­er­eu­len im Kasten, wissen wir wenigstens: Eine Eule ist da!

Aber die Natur hält auch andere Überraschungen bereit, wie wir immer wieder erfahren durften. Nicht selten fanden wir junge Turmfalken vor. Auch einen brütenden Gänsesäger haben wir schon gestört und ein andermal dessen verlassenes Gelege mit zehn Eiern angetroffen. Auch Mar­der, die wohl von außen durch besondere Umstände doch ins Kasteninnere gelangt waren, wurden bei der Kontrolle überrascht. Ebenso fanden sich kunstvolle Hornissennester, viel größer als ein Fußball. Diese wurden vorsichtig entfernt. Sogar ein Bienenvolk war schon eingezogen.

 

Also, bei unserer Betreuungsaktion ist Nachhaltigkeit gefragt; der Motor ist die Liebe zur Natur. (Gerhard Höret)

Ansprechpartner der Arbeitsgruppe Schleiereule

    Gerhard Höret

    Telefon: 0821 / 86323 

Berichte über einige der bisherigen Aktivitäten

März 2015: Sonderanfertigung für die Schleiereule

Unsere Schleiereulen AG kann auf eine sehr lange Geschichte zurückgreifen. Gute 30 Nistmöglichkeiten baute sie in den vergangenen Jahren im nördlichen Landkreis Augsburg. Da in den letzten Jahren jedoch die Nistplätze sukzessive verschwanden, sei es durch den Abriß eines Stadls oder durch Umbau bzw. den Bau einer neuen Straße, gilt es neue Nistmöglichkeiten zu finden.

 

Das Gut Schwaighof bietet eine solche Möglichkeit. Unsere ersten Anfragen im vergangenen Sommer bei der Gutsbesitzerin, Frau Zeising, stießen auf offenes Interesse. So dauerte es dann doch noch einige Monate, bis wir jetzt im März den Nistkasten an seinem Platz begutachten konnten.

 

Danke für die große Hilfsbereitschaft

Frau Zeising war nicht nur gewillt in einer Ihrer Scheunen eine Nistmöglichkeit für die Schleiereule anzubringen, sie schlug sogar vor, extra ein Einflugloch in die Wand zu brechen, so daß keinesfalls ein Marder das Nest ausräumen könnte.

Wir sind hocherfreut über eine solche Kooperation und danken für Ihre Hilfsbereitschaft!

 

Kasten sitzt, Eule fehlt

Wer jetzt allerdings glaubt, die Schleiereulen, die nachweislich auf dem Hof sind, hätten die neue Nistmöglichkeit gleich angenommen, der täuscht sich. Wir konnten uns vergewissern, daß der Kasten bestens angebracht ist und eine ordentliche Einsträu enthält. Somit bleibt nur zu hoffen, daß die Eule diesen auch annimmt.

 

Prüfung im Sommer 2015

Bei der alljährlichen Prüfung durch unser Mitglied, Gerhard Höret, wird sich näheres zeigen und wir werden darüber berichten.

Wer im übrigen Interesse hat, bei der Schleiereulen AG mitzumachen, der ist herzlich willkommen.

(Stefan Höpfel)