(25.05.2019) Wer könnte noch in unsere Nistkästen einziehen (Teil 5)?

Der LBV Augsburg schuf zusätzlichen Wohnraum für die in Bayern sehr selten brütende Schellente. In Deutschland liegt ihr Verbreitungsschwerpunkt im Nordosten der Republik. Für Bayern wurde der Brutbestand vor 10 Jahren noch auf nur etwas über 100 Paare geschätzt, wobei eine positive Entwicklung zu verzeichnen war. Auch deutschlandweit zeigt sich ein positiver Bestandstrend. Die Kreisgruppe ist in der glücklichen Lage, dass sich Schellenten an dem vom LBV gepachteten Burghofweiher bei Schwabaich ansiedelten. Es werden seit dem Jahre 2006 regelmäßig  Jungtiere führende Weibchen gesehen. Im letzten Jahr gab es 3 Brutpaare, in diesem Jahr zunächst zwei. Sie zogen jedoch nicht in einen der Kästen ein, sondern fanden passende Baumhöhlen. Im April konnten die dieses Jahr genutzten entdeckt werden. Am 10. Mai beobachteten wir den ersten Nachwuchs. Ein Schellentenweibchen schwamm mit 10 frisch geschlüpften Küken auf einem der Teiche. Die Jungvögel müssen von Beginn an schon sehr selbständig sein. Das Weibchen ließ immer wieder ihren Nachwuchs allein, um einige Zeit später wieder aufzutauchen. Es war für uns Beobachter nicht einfach zu sehen, wie die unerfahrenen Küken sehr nah an hungrige Graureiher heranschwammen. Am 13. Mai präsentierte schließlich das zweite Weibchen drei kleine Küken, von denen am 18. Mai nur noch zwei gesehen wurden. Auf der anderen Seite hielt sich ein weiteres Schellentenpaar an den Teichen auf.

Schellenten sind Höhlenbrüter und verwenden gerne Schwarzspechthöhlen oder Astlöcher, ziehen aber auch in Nistkästen ein. Am Burghofweiher befand sich 2006 das Nest in einer natürlich entstandenen Höhle einer gekappten Pappel. Um in der Zukunft keine Wohnungsnot aufkommen zu lassen, hängte der LBV einige Kästen im umliegenden Baumbestand auf, die noch bezogen werden können. Die hübschen Tiere haben eine Brut pro Jahr, wobei das Weibchen alleine brütet und die Jungvögel führt. Das Männchen verlässt in der Regel 10–14 Tage vor dem Schlupf das Brutgebiet. Am Burghofweiher hielten sich am 13. Mai noch beide Männchen auf, die Weibchen kümmern sich jedoch alleine um den Nachwuchs. 

Für den LBV Augsburg wäre es ein besonderes Ereignis, wenn er in den nächsten Jahren über die seltenen Enten als neue Mieter in einem der Nistkästen berichten könnte. (Text: Christiane Gebauer)

(27.04.2019) Wer könnte noch in unsere Nistkästen einziehen (Teil 4)?

Der April dieses Jahres stand bei der Nistkasten AG unter dem Zeichen des Wendehalses. Willi Behringer baute mit großem Fleiß Kästen für diese kleibergroßen Spechte (Danke Willi!), und wir hängten sie auf dem Bannacker und unserer Streuobstwiese in Biberbach gerade noch rechtzeitig vor der Rückkehr der Tiere aus ihren Überwinterungsgebieten südlich der Sahara auf. 

Wendehälse haben als Brutvögel innerhalb von Deutschland ihren Verbreitungsschwerpunkt im Nordostdeutschen Tiefland. In Bayern sind die Tiere regional verbreitet und stehen auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“. Glücklicherweise gibt es im Landkreis Augsburg noch vereinzelt Brutpaare. Ein traditioneller Brutplatz ist das Preßmarsche Gut, an dem dieses Jahr bereits zwei Wendehälse gesichtet wurden. Zusätzlich entdeckte Martin Trapp am 25. April  einen rufenden und am 26. April sogar drei Vögel an der Wertach in Göggingen. Im letzten Jahr siedelten sich die Tiere auch an den Solaranlagen bei den Römerseen an. 

Wendehälse benötigen in ihrem Biotop spärlich bewachsene, trockene Böden, damit sie mit ihrer langen Zunge Ameisen am Boden fangen können, und gleichzeitig ein ausreichendes Höhlenangebot zur Aufzucht der Jungen. Beliebt sind beispielsweise Streuobstwiesen oder beweidete Magerwiesen mit Höhlenbäumen im Umfeld. Da in den letzten Jahrzehnten entsprechende Lebensräume großflächig vernichtet wurden, sind geeignete Brutplätze rar.

 

Auf unserer Streuobstwiese bei Biberbach fand Uwe Görtz im Jahr 2018 bei einem Arbeitseinsatz Wendehalskot. Die Vögel nutzten also die Wiese zumindest auf dem Durchzug. Da die Bäume keine entsprechenden Höhlen bieten, hängten wir im April zwei Nisthilfen auf. Auch am Bannacker  gibt es geeignete Flächen zur Nahrungssuche. Um die Ansiedlung nicht an fehlendem Wohnraum scheitern zu lassen, brachten wir dort ebenso Kästen an. Jetzt heißt es – warten und hoffen, dass die Tiere die Flächen entdecken und unsere Angebote annehmen. (Text: Christiane Gebauer)

(05.04.2019) Wer wohnt denn in unseren Nistkästen (Teil 3)?

Im November 2018 führte ein Team von sechs Leuten Kastenkontrollen im Stadtwald durch und durchstreifte den Siebentischwald am Zoo. Die Vogelnistkästen nahe des Zoos sind überwiegend von Meisen und auch von Haussperlingen bewohnt. In einem Kasten mit einem Einflugloch von 32 mm Durchmesser entdeckten wir allerdings ein ungewöhnliches Vogelnest – kein Meisennest, kein Sperlingsnest. Wer hat in diesem Kasten gebrütet? Es bleibt eigentlich nur noch ein Schnäpperpaar, entweder Trauer- oder Halsbandschnäpper. Ein Halsbandschnäpper wurde im Mai 2018 singend im Siebentischwald angetroffen, er könnte jedoch weitergezogen sein. Wir können nur die nächste Brutperiode abwarten und hoffen, dass die Vögel erneut einziehen und das Geheimnis dann gelüftet wird. 

Wie erkenne ich denn, wen ich vor mir habe, wenn ich bei einem Spaziergang durch den Stadtwald auf einen Schnäpper treffe? Eine gute Hilfe ist der Gesang. Ist er mir nicht vertraut, kann ich ihn beispielsweise mit meinem Handy aufnehmen, um daheim eine Nachbestimmung vorzunehmen. Die Männchen lassen sich auch leicht durch ihr Erscheinungsbild unterscheiden. Der Halsbandschnäpper besitzt ein breites weißes Nackenband sowie meist einen ganz schwarzen Schwanz. Der männliche Trauerschnäpper zeigt kein weißes Nackenband, dafür können wir schmale weiße Schwanzkanten erkennen. Als Langstreckenzieher treffen die Schnäpper relativ spät bei uns ein und haben bei der Höhlen- bzw. Nistkastensuche häufig das Nachsehen, da Meisen oder Sperlinge die Brutplätze bereits beanspruchen. Um für unser Schnäpperpaar unbesetzten Wohnraum freizuhalten, haben wir einige Kästen um den Fundort im Februar zugeklebt. Jetzt im April sind sie wieder geöffnet und wir hoffen, dass die in Augsburg nur vereinzelnd brütenden Vögel unser Angebot annehmen. Es bleibt spannend zu beobachten, was in diesem Jahr an unseren Kästen geschehen wird. (Text: Christiane Gebauer)

(14.03.2019) Wer wohnt denn in unseren Nistkästen (Teil 2)?

Regelmäßiger Mieter in den Nistkästen des LBV Augsburg ist der Kleiber. Dieser Singvogel mit dem großen Kopf und der gedrungenen Gestalt brütet in Höhlen und nimmt dabei gerne künstliche an. Öffnet man einen Kasten im Winter, verrät sich der Vogel durch sein Nistmaterial, denn das Nest wird schichtweise aus morschem Holz und Rindenstückchen gebaut. Besonders beliebt sind die Rindenplättchen der Waldkiefer, die wir auf dem Foto im Nistkasten sehen können. Außerdem finden wir oft einen besonderen Innenausbau aus hartem Material. Er entsteht, indem das Weibchen feuchte Erde oder Tierkot in die Höhle einträgt und die Masse mit Pflanzenfasern mischt. Ist das Einflugloch zu groß, klebt der Vogel es mit dem Material zu und bringt es anschließend durch Aus- und Einfliegen auf die richtige Größe. Diese besonderen Fertigkeiten brachten dem kleinen Baumeister seinen Namen, denn im Mittelhochdeutschen ist der „Kleiber“ jemand, der eine Lehmwand herstellt Bei unseren Kontrollen können wir diese Umbauten regelmäßig finden. Im Gennacher Moos verkleinert das Tier gerne die großen Einfluglöcher der Hohltaubenkästen, am Burghofweiher bei Schwabaich und im Stadtwald die der Schellentennisthilfen. 

Die eurasischen Kleiber besiedeln Europa, Nordwestafrika und Asien, wobei Deutschland mit 730.000 bis 950.000 Brutpaaren ungefähr 8 % des gesamten Weltbestandes besitzt. Die Tiere sind Standvögel und können aufgrund ihrer flexiblen Ernährung den Winter bei uns gut überleben. Im Frühjahr und Sommer ernähren sie sich überwiegend von Insekten und Spinnen, ab dem Spätsommer greifen die Vögel auf Samen und Nüsse zurück. Bei der Nahrungssuche klettern die Tiere an Baumrinden herum, wobei sie meist an einem Fuß hängen und sich auf den anderen stützen. Sie können dabei sogar wie der junge Kleiber auf dem Foto kopfüber abwärts laufen. Die kalten Nächte im Winter verbringen Weibchen und Männchen getrennt in eigenen Schlafhöhlen. Wir können die Geschlechter anhand der Färbung der hinteren Flanken unterscheiden. Während sie beim Männchen intensiv rotbraun ist, besitzen die Weibchen eine blass-rostbeige. Bereits im Dezember beginnen die Tiere mit ihrem typischen Gesang. Ab dem Spätwinter inspizieren verpaarte Tiere mögliche Bruthöhlen, wobei das Männchen sie präsentiert, das Weibchen schließlich die Auswahl trifft und für den Nestbau zuständig ist. Nach Legebeginn ab Ende März beteiligt sich das Männchen intensiver am weiteren Nestumbau und besorgt Nistmaterial. Während das Weibchen allein die Eier bebrütet, werden die Jungvögel dann gemeinsam gefüttert. (Christiane Gebauer)

(26.02.2019) Wer wohnt denn in unseren Nistkästen (Teil 1)?

Im letzten Herbst starteten die Kontrollen der Nistkästen beim LBV Augsburg und im Februar enden sie für die Wintersaison 2018/2019, da im März die Brutzeit der Vögel beginnt. Die Kreisgruppe kümmert sich einerseits um Nisthilfen im Stadtwald und auf Friedhöfen, andererseits hängte sie aber auch welche beispielsweise für Hohltauben in die umliegenden Wälder. Zusätzlich werteten aktive Mitglieder eigene und gepachtete Flächen durch Kästen für verschiedenste Vogelarten auf. Im Gennacher Moos und auf der Biberbacher Streuobstwiese befinden sich zum Beispiel künstliche Höhlen für Meisen, Kleiber, Stare und Sperlinge. Am Burghofweiher in Schwabaich bieten wir unter anderem Wohnraum für Gänsesäger und Schellente. Für die Kästen an Bauwerken ist die Gebäudebrüter-AG des LBVs zuständig. Darüber hinaus werden spezielle Nisthilfen von der Wasseramsel-AG und der Schleiereulen-AG betreut. 

Bei den jährlichen Kontrollen öffnen Teams von Freiwilligen die Kästen, säubern sie und erfassen, wer in ihnen gebrütet hat. Welche Arten kommen in ihnen vor? Ein typischer Bewohner unter den Kleinvögeln ist der Feldsperling, der seinem nahen Verwandten – dem Haussperling – sehr ähnlich sieht. Wer sich an der vorjährigen Gebäudebrüterkartierung beteiligte, beschäftigte sich bereits mit diesem Verwandten. Jetzt richten wir jedoch unser Augenmerk auf den etwas zarter gebauten Feldsperling. 

Dieser Singvogel besitzt im Gegensatz zum Haussperling keine graue, sondern eine rotbraune Kopfplatte und die Geschlechter sind – anders als beim Haussperling – gleich gefärbt. Die Tiere sind besonders gut an den schwarzen Wangenflecken auf den weißen Kopfseiten zu erkennen. Sie brüten einerseits im Bereich menschlicher Lebensräume wie Kleingartenanlagen oder Parks, bewohnen andererseits auch Gehölze und lichte Wälder abseits menschlicher Siedlungen. Die Sperlinge bauen ihre Nester als Höhlenbrüter vor allem in Baumhöhlen und Nistkästen. Die angebotenen Nisthilfen beispielsweise auf der Obstwiese in Biberbach oder im Birkenwäldchen des Gennacher Mooses werden gerne angenommen. Bei den Kontrollen im Gennacher Moos können wir sehen, dass die Tiere häufig als Nachmieter zu den Meisen auftreten. Über dem Meisennest aus Moos und Tierhaaren finden wir dann das unordentliche Sperlingsnest gebaut aus Pflanzenhalmen, Wurzeln, Federn und Blättern. Die Vögel können zwei bis drei Jahressbruten großziehen, wobei die Partnerbindung in der Regel lebenslang besteht. Außerhalb der Brutzeit schließen sich die geselligen Tiere zu großen Trupps – gerne mit Finken und Ammern – zusammen, um auf der Nahrungssuche Gebiete bis zu 100 km² gemeinsam zu durchstreifen.

(Christiane Gebauer)