(14.03.2019) Wer wohnt denn in unseren Nistkästen (Teil 2)?

Regelmäßiger Mieter in den Nistkästen des LBV Augsburg ist der Kleiber. Dieser Singvogel mit dem großen Kopf und der gedrungenen Gestalt brütet in Höhlen und nimmt dabei gerne künstliche an. Öffnet man einen Kasten im Winter, verrät sich der Vogel durch sein Nistmaterial, denn das Nest wird schichtweise aus morschem Holz und Rindenstückchen gebaut. Besonders beliebt sind die Rindenplättchen der Waldkiefer, die wir auf dem Foto im Nistkasten sehen können. Außerdem finden wir oft einen besonderen Innenausbau aus hartem Material. Er entsteht, indem das Weibchen feuchte Erde oder Tierkot in die Höhle einträgt und die Masse mit Pflanzenfasern mischt. Ist das Einflugloch zu groß, klebt der Vogel es mit dem Material zu und bringt es anschließend durch Aus- und Einfliegen auf die richtige Größe. Diese besonderen Fertigkeiten brachten dem kleinen Baumeister seinen Namen, denn im Mittelhochdeutschen ist der „Kleiber“ jemand, der eine Lehmwand herstellt Bei unseren Kontrollen können wir diese Umbauten regelmäßig finden. Im Gennacher Moos verkleinert das Tier gerne die großen Einfluglöcher der Hohltaubenkästen, am Burghofweiher bei Schwabaich und im Stadtwald die der Schellentennisthilfen.

 

Die eurasischen Kleiber besiedeln Europa, Nordwestafrika und Asien, wobei Deutschland mit 730.000 bis 950.000 Brutpaaren ungefähr 8 % des gesamten Weltbestandes besitzt. Die Tiere sind Standvögel und können aufgrund ihrer flexiblen Ernährung den Winter bei uns gut überleben. Im Frühjahr und Sommer ernähren sie sich überwiegend von Insekten und Spinnen, ab dem Spätsommer greifen die Vögel auf Samen und Nüsse zurück. Bei der Nahrungssuche klettern die Tiere an Baumrinden herum, wobei sie meist an einem Fuß hängen und sich auf den anderen stützen. Sie können dabei sogar wie der junge Kleiber auf dem Foto kopfüber abwärts laufen. Die kalten Nächte im Winter verbringen Weibchen und Männchen getrennt in eigenen Schlafhöhlen. Wir können die Geschlechter anhand der Färbung der hinteren Flanken unterscheiden. Während sie beim Männchen intensiv rotbraun ist, besitzen die Weibchen eine blass-rostbeige. Bereits im Dezember beginnen die Tiere mit ihrem typischen Gesang. Ab dem Spätwinter inspizieren verpaarte Tiere mögliche Bruthöhlen, wobei das Männchen sie präsentiert, das Weibchen schließlich die Auswahl trifft und für den Nestbau zuständig ist. Nach Legebeginn ab Ende März beteiligt sich das Männchen intensiver am weiteren Nestumbau und besorgt Nistmaterial. Während das Weibchen allein die Eier bebrütet, werden die Jungvögel dann gemeinsam gefüttert. (Christiane Gebauer)

(26.02.2019) Wer wohnt denn in unseren Nistkästen (Teil 1)?

Im letzten Herbst starteten die Kontrollen der Nistkästen beim LBV Augsburg und im Februar enden sie für die Wintersaison 2018/2019, da im März die Brutzeit der Vögel beginnt. Die Kreisgruppe kümmert sich einerseits um Nisthilfen im Stadtwald und auf Friedhöfen, andererseits hängte sie aber auch welche beispielsweise für Hohltauben in die umliegenden Wälder. Zusätzlich werteten aktive Mitglieder eigene und gepachtete Flächen durch Kästen für verschiedenste Vogelarten auf. Im Gennacher Moos und auf der Biberbacher Streuobstwiese befinden sich zum Beispiel künstliche Höhlen für Meisen, Kleiber, Stare und Sperlinge. Am Burghofweiher in Schwabaich bieten wir unter anderem Wohnraum für Gänsesäger und Schellente. Für die Kästen an Bauwerken ist die Gebäudebrüter-AG des LBVs zuständig. Darüber hinaus werden spezielle Nisthilfen von der Wasseramsel-AG und der Schleiereulen-AG betreut.

 

Bei den jährlichen Kontrollen öffnen Teams von Freiwilligen die Kästen, säubern sie und erfassen, wer in ihnen gebrütet hat. Welche Arten kommen in ihnen vor? Ein typischer Bewohner unter den Kleinvögeln ist der Feldsperling, der seinem nahen Verwandten – dem Haussperling – sehr ähnlich sieht. Wer sich an der vorjährigen Gebäudebrüterkartierung beteiligte, beschäftigte sich bereits mit diesem Verwandten. Jetzt richten wir jedoch unser Augenmerk auf den etwas zarter gebauten Feldsperling.

 

Dieser Singvogel besitzt im Gegensatz zum Haussperling keine graue, sondern eine rotbraune Kopfplatte und die Geschlechter sind – anders als beim Haussperling – gleich gefärbt. Die Tiere sind besonders gut an den schwarzen Wangenflecken auf den weißen Kopfseiten zu erkennen. Sie brüten einerseits im Bereich menschlicher Lebensräume wie Kleingartenanlagen oder Parks, bewohnen andererseits auch Gehölze und lichte Wälder abseits menschlicher Siedlungen. Die Sperlinge bauen ihre Nester als Höhlenbrüter vor allem in Baumhöhlen und Nistkästen. Die angebotenen Nisthilfen beispielsweise auf der Obstwiese in Biberbach oder im Birkenwäldchen des Gennacher Mooses werden gerne angenommen. Bei den Kontrollen im Gennacher Moos können wir sehen, dass die Tiere häufig als Nachmieter zu den Meisen auftreten. Über dem Meisennest aus Moos und Tierhaaren finden wir dann das unordentliche Sperlingsnest gebaut aus Pflanzenhalmen, Wurzeln, Federn und Blättern. Die Vögel können zwei bis drei Jahressbruten großziehen, wobei die Partnerbindung in der Regel lebenslang besteht. Außerhalb der Brutzeit schließen sich die geselligen Tiere zu großen Trupps – gerne mit Finken und Ammern – zusammen, um auf der Nahrungssuche Gebiete bis zu 100 km² gemeinsam zu durchstreifen.

(Christiane Gebauer)