Winterliche Verhältnisse im Januar, das waren wir doch schon fast nicht mehr gewohnt. Herausfordernde Zeiten aber auch für unsere Standvögel, die den Winter über bei uns ausharren und für unsere
Wintergäste aus dem Norden und Nordosten. Wenn kleine Gewässer zufrieren und sich auf den Stauseen immer mehr Eis bildet, bleibt vielen Vögeln nur noch die Flucht an unsere Flüsse. Wenn Samen in
den Wäldern durch Frost und Schnee nicht mehr zugänglich sind, wird die Futterstelle im Garten gerne angenommen. Vor vielen Fenstern herrscht gerade Hochbetrieb. Deutlich mehr Amseln als sonst
nutzen das angebotene Weichfutter, festgestellt gerade erst wieder bei der Stunde der Wintervögel. Aber auch Meisen, Sperlinge, Kleiber und Buntspecht sind regelmäßige Gäste. Spektakulär, wenn
dann ein ganzer Trupp Schwanzmeisen vorbeikommt oder die Futtersäule rundum mit Stieglitzen besetzt ist. Und trotzdem, die Einflüge aus dem hohen Norden, die großen Mengen an Bergfinken und
Erlenzeisigen, die fehlen dieses Jahr. Auf andere Wintergäste jedoch ist Verlass. Wie wäre es mit einem Besuch an der Wertach?
Die Wertach bei Göggingen und Inningen
Ein Spaziergang lohnt sich allein schon wegen der Pfeifenten, denn die gibt es wirklich nur im Winter bei uns zu sehen. Die nächsten Brutvorkommen sind auf Island, in Schottland,
in Skandinavien, im Baltikum. International bedeutende Winterbestandszahlen werden regelmäßig von der Nordseeküste gemeldet. Dort sieht man sie häufig gänseähnlich grasend auf Wiesen und Feldern.
Doch manche zieht es auch in das Binnenland, z. B. an die Wertach südlich der Wellenburger Straße. Dort ist das Wasser im Uferbereich flach und erlaubt den Zugriff auf Wasserpflanzen. Später,
wenn die Spaziergänger wieder zuhause sind, kommen die auch nachtaktiven Enten bestimmt auch an Land. Die Männchen sind mit dem cremefarbenen Feld auf Stirn und Scheitel, mit der rosa Brust und
dem schwarz-weißen Hinterteil hübsch anzusehen, die unterschiedlich rotbraun gefärbten Weibchen sind meist nicht weit. Beide Geschlechter sind am blaugrauen Schnabel mit schwarzer Spitze
kenntlich. Und machen meist ihrem Namen alle Ehre. „Wiiju“, so pfeift die Ente.
Noch häufiger aber ist dort die Schnatterente zu sehen. Oft bis zu 80 Individuen. Doch hier lässt sich die Lautäußerung nicht aus dem Namen ablesen. Schnattern bezieht sich auf
die Art der Nahrungsaufnahme. Mit kurz geöffnetem und wieder geschlossenem Schnabel wird Wasser eingesaugt und zwischen den mit Hornlamellen besetzten Schnabelrändern wieder rausgedrückt,
Nahrungspartikel bleiben dabei zurück. Auf den ersten Blick wirken die Enten eher schlicht, er überwiegend grau, sie vor allem braun. Aber beim genauen Hinschauen offenbart sich beim Männchen ein
sehr apartes graumeliertes Federkleid. Ein wichtiges Kennzeichen ist bei beiden Geschlechtern der weiße Flügelspiegel. Gerade beim Weibchen ist das ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum
ähnlichen Stockentenweibchen mit seinem blauen Spiegel. Auch die Schnatterenten sind bei uns nur Wintergäste, wenn auch nicht von so weit aus dem Norden wie die Pfeifenten.
Und Watvögel im Winter? Auch da kann man beim Wertachspaziergang Glück haben, vor allem, wenn man die Uferbereiche von Fluss und Inseln aufmerksam mustert. Vielleicht steht da ja
eine Bekassine, kurze Beine, geduckte Haltung, und vor allem ein sehr langer Schnabel. Eigentlich ein Kurzstreckenzieher, doch manche überwintern bei uns. Typischer Lebensraum
wäre Feuchtwiese oder Moor, wo sie mit dem langen Schnabel beinahe nähmaschinenartig im Boden stochert und mit der tastempfindlichen Spitze nach Nahrung sucht. Doch wenn die Böden gefroren sind,
bleibt als Ausweg nur das Ufer. Dort entdeckt man vielleicht auch den Waldwasserläufer, dunkle Oberseite, weiße Unterseite, vor allem bei Erregung kräftig mit dem Körper wippend.
Oft fällt er erst auf, wenn er unerwartet und laut pfeifend auffliegt. Waldwasserläufer können einem das Jahr über immer mal wieder begegnen, im Winter, vor allem aber auf dem sich über Monate
erstreckenden Heim- und Wegzug. Um ihn als Brutvogel zu erleben, müsste man mindestens in den Nordosten Deutschlands. Und dort würde man staunen, brütet diese Art doch auf Bäumen, bevorzugt in
alten Singdrosselnestern. Recht ungewöhnlich für einen Watvogel.
Ein Anlass zum Staunen beim Winterspaziergang wäre sicher der Eisvogel. So ein farbenprächtiger Vogel! Die Chancen stehen gut, vor allem, wenn man seinen Pfiff kennt, den er im
Flug äußert und dann darauf achtet, wo sich der Eisvogel hinsetzt.
Martin Trapp
Bei bester Winterstimmung mit Martin Trapp auf der Suche nach Pfeifenten an der Wertach, entdeckten wir bei der Exkursion noch viel mehr Arten: Pfeifenten, Krickenten, Tafelenten,
Schnatterenten, Stockenten, Reiherenten, darunter sogar eine Bergente, Gänsesäger, Bergpieper, Gebirgsstelze, Bachstelze, Rotkehlchen, Teichhühner und Blässhühner, eine Wasserralle,
Silberreiher und Graureiher und was natürlich nicht fehlen darf, den Eisvogel!
Eine Neuauflage ist in Planung 😅
Ingeborg Strobl